Schule und Erziehung

„Jesus Christ Superstar“ am Gymnasium St. Xaver

Die Verortung des letzten Abendmahls in einen MC Donalds-Schnellrestaurant sorgte zunächst für Schmunzeln unter den Zuschauern.Bad Driburg, 30.5.2016 „Unbedingt sehens- bzw. hörenswert!“ So urteilten viele Zuschauer nach der Premiere des Musicals „Jesus Christ Superstar“ am Gymnasium St. Xaver,  eine Einschätzung, der uneingeschränkt zugestimmt werden kann: Die verantwortlichen Schüler und Lehrer zeigten eine Inszenierung, die nicht nur musikalisch durch und durch überzeugte, sondern die Geschichte um Jesus und seine Jünger auf eine Weise erzählte, die unmittelbar ansprach und nachdenklich stimmte.

In dem 1971 uraufgeführten Rock-Musical „Jesus Christ Superstar“ geht es um die letzten Tage im Leben Jesu: Dieser gerät nach seinem Einzug in Jerusalem in Konflikt mit den dort herrschenden Obrigkeiten, sodass er zum Tode verurteilt und gekreuzigt wird, kein leichter Stoff für ein Musical, zumal der Ausgang der Handlung allgemein bekannt ist. Doch den an dem Musiktheater beteiligten Schülern und Lehrern gelang der schwierige Spagat, den Inhalt einerseits neu und mitreißend und andererseits in einer Form zu präsentieren, die dem Geschehen gerecht wurde.

Sie wählten dazu das Mittel der Verfremdung, indem sie die Handlung in die heutige Zeit transformierten,  ein mutiger Schritt, der nachdenklich stimmte. So wurde die Szene, in der Jesus die Geldwechsler hinauswirft, nicht im Jerusalemer Tempel, sondern an der Börse verortet, an der Broker sich ganz dem schnöden Mammon verschrieben haben. Das letzte Abendmahl fand dagegen in einem MC Donalds-Schnellrestaurant statt, eine Szenerie, die für Schmunzeln unter den Zuschauern sorgte, dabei aber nicht pietätlos wirkte.

In einer imposanten Choreografie wurde die Verehrung des Geldes durch Börsenmakler dargestellt.Dass die Gefahr dazu nicht bestand, ist auf die hervorragenden Leistungen der Darsteller zurückzuführen: Sie spielten nicht nur ihre Rollen, sondern schienen regelrecht eins mit ihnen zu sein. So beeindruckten u. a. Daniela Tech bzw. Sara Henneböhl als Maria Magdalena. Anna-Lena Mikus und Jan-Christopher Gemke überzeugten als Hohepriester ebenso wie Leonie Pleuse als Statthalter Pontius Pilatus. Tobias Fehring riss das Publikum als verrückt anmutender König Herodes mit sich. Und Benjamin Fabian und Justin Gehrke verkörperten Judas Ischariot bzw. Jesus derart einfühlsam, dass deutlich wurde, wie intensiv sie sich im Vorhinein mit ihren Rollen auseinandergesetzt haben.

Daneben muss jedoch auch das gesangliche Vermögen der Darsteller hervorgehoben werden, die unter der Leitung von Frank Kieseheuer zu Höchstformen aufliefen: In perfekter Abstimmung mit der ausgezeichneten Band, die jedem Song einen ganz eigenen Klang und Rhythmus verlieh, trugen die Sänger die einzelnen Stücke sicher und zugleich gefühlvoll vor. Auch die zahlreichen Choreografien, die mitunter im Zuschauerraum stattfanden und das Publikum auf diese Weise in das Geschehen einbanden, begeisterten und dürften dafür sorgen, dass sich viele an diese Aufführung zurückerinnern werden.

Dass die derzeitige Flüchtlingsproblematik in die Handlung des Musicals eingebunden wurde, indem Jesus und seine Jünger als Migranten dargestellt wurden, ist nur ein weiteres Zeugnis dafür, wie durchdacht die gesamte Inszenierung war. Sie schien den Nerv der Zeit zu sprechen. Dies gilt umso mehr, wenn der Erzbischof von Köln, Kardinal Rainer Woelki, in Zusammenhang mit seiner Kritik an der deutschen Flüchtlingspolitik davon spricht, dass Jesus heute ein Flüchtling sei.

Insofern ist all diejenigen, die der Premiere nicht beiwohnen konnten, ein Besuch der nächsten beiden Aufführungen zu empfehlen. Diese finden am 4. September und am 27. November 2016 jeweils um 17 Uhr in der Aula des Gymnasiums St. Xaver statt.

 

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