Schule und Erziehung

Mit den eigenen Wurzeln in Berührung kommen

Schulleiter Dr. Peter Kleine (l.) hob in seiner Begrüßung die Art und Weise hervor, mit der es Pater Anselm Grün gelinge, die Menschen zu begeistern.Bad Driburg, 25.4.2016 Nach dem Vortrag von Pater Anselm Grün herrschte in der vollbesetzten Aula des Gymnasiums St. Xaver zunächst Stille. Erst nach einigen Sekunden setzte nach und nach ein sich steigender, großer und ungewöhnlich langer Applaus ein, der zum Ausdruck brachte, wie stark sich die anwesenden Zuhörer von den einfachen und klaren Worten des weltweit bekannten Schriftstellers angesprochen fühlten. Er hielt auf Grundlage seines 2012 erschienen Buches „Wurzeln. Festen Halt im Leben finden“ einen freien Vortrag, in dem er dem Publikum lebendig vor Augen führte, wie aus negativen Lebenserinnerungen wahre Stärken entstehen können.

„Von den Büchern Pater Anselms geht ein besonderer, positiv motivierender Geist aus, der Menschen in ganz unterschiedlichen Lebenslagen anspricht.“ Mit diesen Worten begründete eine Besucherin bereits vor Beginn der Veranstaltung ihr Kommen und die große Anzahl der zu diesem Vortrag erschienen Gäste schien ihr Recht zu geben.

Auch Schulleiter Dr. Peter Kleine hob in seiner Begrüßung die Art und Weise hervor, mit der es Anselm Grün in seinen zahlreichen Büchern immer wieder gelinge, die Menschen für eine andere Sichtweise auf das Leben zu gewinnen. „Er schreibt schnörkellos über seelische Befindlichkeiten und erfasst den Zeitgeist.“, so Kleine. Diese Erfahrung habe die Schulgemeinde bereits im Jahr 2010 machen dürfen, als Pater Anselm zum ersten Mal zu Gast gewesen sei. Umso größer sei die Freude darüber, den Schriftsteller erneut für einen Vortrag im Jubiläumsjahr der Schule gewonnen zu haben.

„Es ist wichtig, sich mit seinen eigenen Wurzeln in Berührung zu bringen.“ Zu diesem Schluss kam Pater Anselm Grün gleich zu Beginn seiner Rede, nachdem er über seine Erfahrungen in der geistigen Begleitung von Menschen berichtete. So gebe es immer wieder „Brüche im Leben“, an denen es von besonderer Bedeutung sei, sich seiner eigenen „Wurzeln“ zu vergewissern, um wie ein Baum wieder aufblühen zu können. Diese Wurzeln könnten u. a. in der Beziehung zu Freunden oder der Familie bestehen. Aber auch feste, in den Alltag integrierte Rituale trügen dazu bei, nach einem Schicksalsschlag wieder Halt im Leben zu finden.

Im weiteren Verlauf seines Vortrags merkte Grün jedoch an, dass diese grundsätzlich lebenswichtigen Wurzeln mitunter negativ belastet sein können: „Die Beziehung zu Eltern, Geschwistern oder Freunden kann gestört sein.“ In solch einer Situation sei es nicht möglich, die Wurzeln einfach abzuschlagen, wenn man sich nicht selbst beschneiden wolle. Vielmehr ginge es darum, Verletzungen anzunehmen oder, wie es die Mystikerin Hildegard von Bingen formuliert habe, „Wunden in Perlen zu verwandeln.“ Dies sei allerdings mit einem mitunter schwierigen inneren Prozess verbunden, ein Weg, auf dem Menschen jedoch über sich hinauswachsen könnten und der auch im biblischen Gleichnis vom Senfkorn beschrieben werde, indem aus etwas Kleinem ein starker Baum mit tiefen Wurzeln erwachse.

In diesem Zusammenhang erinnerte Grün auch an die Geschichte der Missionsschule St. Xaver, die vor hundert Jahren mit nicht einmal mehr als zwanzig Schülern den Schulbetrieb aufgenommen habe und sich trotz der Wirren der Zeit zu einem Gymnasium mit zahlreichen Schülern und Lehrern entwickelt habe. Mit dem folgenden abschließenden Vergleich, der die Bedeutung von Schulen noch einmal hervorhob, schloss Pater Anselm Grün seine Ansprache: „Die Schule ist wie ein schützender Baum, um die Erde mit Menschen zu befruchten, die für die Welt ein Segen sind.“ Dass es dementsprechend auch als Schulgemeinde von Bedeutung ist, sich seiner Wurzeln bewusst zu werden und darüber insbesondere zum hundertjährigen Jubiläum intensiv nachzudenken, wurde mit diesem eindrucksvollen Vortrag mehr als deutlich.

 

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