Schule und Erziehung

Erzbischof: „Werte werden gelehrt und vorgelebt“

Erzbischof Hans-Josef Becker mit den Gästen der Festveranstaltung: Prof. Dr. Klaus Töpfer, Pater Helmut Stadtermann, Pater Norbert Wientzek, Pater Hermann Wickel, Pater Adalbert Schaller, Pater Bruno Frey, Pater Heinz Bettenworth, Siegfried Zoch, Bruder Franz Schneider und Schulleiter Dr. Peter Kleine.pdp Paderborn, 4.12.2015 (pdp). „Hier ist eine moderne Stätte des Lehrens, Lernens und Lebens!“ Ein schöneres Kompliment hätte das Gymnasium St. Xaver in Bad Driburg zum Festakt des 100-jährigen Jubiläums kaum erhalten können, denn es kam aus berufenem Mund. Schülersprecher Thomas Oelke sprach es aus und lobte im Namen der rund 830 Schülerinnen und Schüler das Gymnasium in höchsten Tönen.

Mit einem Pontifikalamt mit Erzbischof Hans-Josef Becker am heutigen Donnerstag begann der Festakt zum runden Geburtstag des Gymnasiums, dessen Geschichte am 7. Dezember 1915 mit der Einweihung des Missionshauses der Steyler Missionare und der Aufnahme des Schulbetriebs mit damals 20 Schülern begann. Im Januar 2001 hat das Erzbistum Paderborn die Trägerschaft übernommen. Die Schar der Gratulanten war dem Auftakt des stolzen Jubiläums angemessen. Die Feierlichkeiten werden mit unterschiedlichen Veranstaltungen ein Jahr fortgesetzt und zeigen auch die Vielseitigkeit des St. Xaver Gymnasiums auf.

Einer der Ehrengäste war der 98-jährige Frank Kloppenburg, der selbst in den 1930er Jahren zu den Schülern von St. Xaver gehört hatte, und mit großer Freude wahrnehmen konnte, welches Lob sich die Schule verdient hatte.

Erzbischof Hans-Josef Becker stand dem Pontifikalamt anlässlich des 100-jährigen Jubiläums des Gymnasiums St. Xaver in der schuleigenen Kirche vor.pdp Erzbischof Hans-Josef Becker verglich das Gymnasium in seiner Predigt in der immer wieder eindrucksvollen Schulkirche mit einem Haus aus lebendigen Steinen. Dabei verwies der Erzbischof auf zwei historische Ereignisse, in denen Steine unterschiedlichste Rollen spielten. Steine seien beim Fall der Mauer 1989 entfernt worden, während am 9. November 1938 in der „Reichspogromnacht“ mit Steinen Scheiben jüdischer Synagogen und Geschäft zertrümmert wurden. Erzbischof Becker: „Steine können etwas sehr Unterschiedliches sein: Sie können Leben vernichten, sie können aber auch als Symbole für neues Leben stehen. Sie können zerstörerisch wirken, aber auch ungemein kreativ und im wahrsten Sinne des Wortes aufbauend sein.“

Bei einem Haus sei das Fundament aus Steinen die Grundlage, auf die durchaus unterschiedlich gebaut werden könne. Das gelte auch für das Gymnasium, dessen Fundament vor 100 Jahren gelegt wurde. Es sei das Lebenshaus für die Schüler, die selbst so etwas wie die lebendigen Steine dieses Hauses seien. Auch wenn die Schule mal nerve, so sagte Erzbischof Becker die Schülerinnen und Schüler, würden sie hier das Rüstzeug für das spätere Leben erhalten und sich sicherlich gern erinnern: „Dabei denke ich vor allem an die Werte, die hier nicht nur gelehrt, sondern auch vorgelebt werden. Baut das Haus Eures Lebens auf dem auf, was uns der Glaube an Jesus Christus an Entfaltungsmöglichkeiten bietet.“

Dass die Schülerinnen und Schüler ein Teil der Geschichte des ehrwürdigen Gymnasiums sei, betonte auch Dompropst Monsignore Joachim Göbel, Leiter der Hauptabteilung Schule und Erziehung im Erzbischöflichen Generalvikariat Paderborn. Denn die Schule sei für die Schüler und nicht für die Lehrer gemacht. Doch alle zusammen hätten das Profil des Gymnasiums geschärft und das Gebäude mit Leben gefüllt: Zufriedene Schüler, gute Lehrer und engagierte Eltern.

„Ich freue mich für die zahlreichen Erfolge der Schule in unterschiedlichen Fachbereichen“, so Dompropst Göbel, das sei das Ergebnis einer ehrgeizigen und anspruchsvollen Arbeit. Im kommenden Jahr erhalte das Gymnasium St. Xaver dann auch die Auszeichnung „MINT freundliche Schule“ und „MINT-EC“. Da auch die Schulmusik des Gymnasiums eine prägende Rolle spiele, forderte der Dompropst dazu auf: „Spielen Sie diese Melodie der letzten Jahre weiter.“

Professor Dr. Klaus Töpfer hielt den Festvortrag in Bad Driburg mit dem Thema „Entwicklung ist der neue Begriff von Frieden“.pdp Mit Stolz blickte auch Bürgermeister Burkhard Deppe auf „St. Xaver“, da es das Stadtbild ebenso wie die Bildungslandschaft präge: „Wir brauchen gut ausgebildete junge Menschen, die die komplexe Welt begreifen lernen. Auch die christliche Erziehung bereichert unsere Stadt. Ich bin sehr glücklich über ein solch exzellentes Bildungsangebot.“

Ähnlich griffen die Erfolgsgeschichte der „Erziehung und Bildung der letzten 100 Jahre“ mit einem Blick auf die Zukunft auch Landrat Friedhelm Spieker (Kreis Höxter), Rolf-Victor Siedenhans (Dezernent der Bezirksregierung Detmold) und Margret Bauckmann (Schulpflegschaftsvorsitzende) auf. Für die Steyler Missionare sprach Pater Bruno Frey ein bewegendes Grußwort. Die „hohe integrative Kraft“, die vom Gymnasium und den Steyler Missionaren ausgegangen sei, stellte Pfarrer Hubertus Rath, Leiter des Pastoralverbundes Bad Driburg, in den Fokus.

In seinem Festvortrag versuchte Professor Dr. Klaus Töpfer (ehemaliger Umweltminister und ehemaliger Exekutivdirektor des Umweltprogramms der Vereinten Nationen) eine gelungene Verknüpfung von „Populorum Progressio“ von Papst Paul VI und der „Laudato Si“ von Papst Franziskus zu seiner These „Entwicklung ist der neue Begriff von Frieden“. Dabei schloss sich Töpfer auch der Meinung der Bischofskonferenz an, dass Technik auch ethische Grenzen habe, und der Mensch nicht alles dürfe, was er kann: „Und je mehr er kann, umso größer ist seine Verantwortung.“ Die Nachhaltigkeit wahren und bewahren ist seine Forderung an die Mitverantwortung.

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