Schule und Erziehung

„Man muss Auschwitz selbst gesehen haben…“

Die Leistungskurse Geschichte der Jgst. Q2 der beiden Attendorner Gymnasien waren dankbar für die letzte Begegnung mit dem Auschwitz-Überlebenden Tadeusz Sobolewicz.Foto: privat Attendorn, 21.1.2015 „Man muss Auschwitz selbst gesehen haben, um die Ausmaße des Holocaust verstehen zu können.“ Zu diesem Fazit kamen die Schülerinnen und Schüler der Geschichtsleistungskurse der Jgst. Q2 des St.-Ursula-Gymnasiums und des Rivius-Gymnasiums, die kürzlich fünf Tage in der internationalen Jugendbegegnungsstätte im historischen Auschwitz, dem heutigen Oswiecim in Polen verbrachten. Im Rahmen der Studienfahrt besichtigten die 32 Jugendlichen gemeinsam mit sechs Begleitpersonen das Stammlager Auschwitz I und das Vernichtungslager Auschwitz – Birkenau. Zusätzlich wurde die nahegelegene Stadt Krakau besucht, in der die Schüler dem Zeitzeugen Tadeusz Sobolewicz begegneten, die ehemalige Schindler-Fabrik besichtigten und in dem früheren jüdischen Viertel Kazimierz die jüdische Kultur kennenlernten.

Mit dem Flug nach Kattowitz begann für die Schüler der Attendorner Gymnasien eine Reise zurück in die Geschichte. Viele von ihnen nutzten die Zeit und Gelegenheit, sich über ihre jeweiligen Erwartungen und Vorstellungen auszutauschen. Schon hier wurde klar, dass sich jeder individuell und teils komplett gegensätzlich mit dem Thema Holocaust auseinandersetzen würde.

An der Jugendbegegnungsstätte in Auschwitz angekommen, stellten sich die Vertreter der „Stätte der Begegnung“ aus Vlotho, welche die Fahrt organisiert hatte, vor und gaben einen Überblick über den Zeitplan der folgenden Tage sowie eine kurze Einführung ins Thema.

Der nächste Tag begann mit dem Besuch des Konzentrationslagers Auschwitz I. Das Stammlager ist in den größten Teilen noch erhalten geblieben und stellenweise zu einem Museum umgebaut worden. In den einzelnen Blöcken befinden sich nationale Ausstellungen mit verschiedenen Schwerpunkten. Durch die begleitete Führung durch das Lager bekamen die Schüler einen detaillierten und zugleich schockierenden Einblick in die Verbrechen des NS-Regimes. Im Anschluss daran hatten sie die Möglichkeit, sich in kleinen Reflexionsgruppen über das Erlebte und die Eindrücke auszutauschen. „Man muss sich klar machen, dass in Auschwitz 1,3 Millionen Individuen gestorben sind. Jeder dieser Menschen hatte seine eigene Geschichte und sein eigenes Schicksal“, äußerte ein Schüler völlig betroffen.

Am folgenden Tag stand die Besichtigung des Vernichtungslagers Auschwitz-Birkenau im Mittelpunkt. Im Gegensatz zum Stammlager, in dem man durch die Ausstellungen auf emotionale Weise angesprochen wurde, überwältigte Birkenau durch seine unvorstellbare Größe. Die Kälte, der Regen und der starke Wind unterstützten die Atmosphäre des „größten Friedhofes der Welt“.

„Obwohl wir vier Stunden durch Auschwitz- Birkenau gelaufen sind, konnte ich die Dimension dieser industrialisierten Vernichtungsanlage kaum erfassen“, stellte eine Schülerin am Ende der Besichtigung sichtlich emotional fest.

Nach den zwei intensiven Tagen in Auschwitz stellte der Tagesausflug nach Krakau einen Ausgleich dar. Für viele Schüler war das Gespräch mit dem Auschwitz-Überlebenden Tadeusz Sobolewicz die eindrücklichste Erfahrung. Der sichtbar von Krankheit gezeichnete 90-Jährige erzählte dennoch seine Leidensgeschichte auf sehr bewegende Weise und appellierte an die Verantwortung der heute lebenden Generation, den Holocaust in Erinnerung zu halten und daraus zu lernen. Für diese Begegnung waren die Jugendlichen ganz besonders dankbar und nahmen sie sehr gerührt auf, zumal Sobolewicz ihnen gleich zu Beginn sagte, dass er aus gesundheitlichen Gründen zukünftig keine Gespräche mehr durchführen werde und für sie ein letztes Mal erschienen sei.

Das Museum in einer früheren Emailwaren-Fabrik in der Nähe des ehemaligen jüdischen Ghettos dokumentierte anschließend die Rettung von über 1000 Juden durch deren Besitzer Oskar Schindler auf sehr anschauliche Art. Zum Ende des Tages fand die Gruppe sich in einem jüdischen Restaurant zusammen, das die jüdische Kultur in Form von traditioneller Küche und Musik präsentiert. Die Studienfahrt erhielt mit diesem Abend einen positiven Ausklang.

Am letzten Tag standen die Schüler vor der Wahl zwischen verschiedenen Vertiefungsangeboten, wie zum Beispiel dem Besuch einer Kunstausstellung eines Holocaust-Überlebenden oder der kreativen Auseinandersetzung zur Verarbeitung der Erlebnisse.

Insgesamt lässt sich sagen, dass die Gedenkstätten-Fahrt ins historische Auschwitz eine wichtige und eindrucksvolle Erfahrung gewesen ist, die die Schüler auch noch nach der Heimkehr beschäftigt und für deren Ermöglichung sie sehr dankbar sind.

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