Schule und Erziehung

Eine Kultur der Achtsamkeit schaffen

Am Gymnasium St. Xaver setzen sich die Lehrer und Mitarbeiter im Rahmen einer Präventionsschulung ausführlich mit dem Thema „sexualisierte Gewalt“ auseinander. Bad Driburg, 9.12.2014 Viele Menschen werden sie noch in Erinnerung haben: Die Missbrauchsfälle, die im Jahr 2010 die katholische Kirche erschütterten. Angesichts dieser Ereignisse führt das Erzbistum Paderborn seit Oktober 2013 Präventionsschulungen durch, die zum Ziel haben, für das Thema „sexualisierte Gewalt“ zu sensibilisieren, statt es - wie in der Vergangenheit viel zu oft geschehen - zu tabuisieren. Auch die Lehrer und Mitarbeiter des in kirchlicher Trägerschaft stehenden Bad Driburger Gymnasiums St. Xaver haben sich gemeinsam im Rahmen einer Fortbildung mit diesem Thema befasst. Begleitet wurden sie dabei von den Referenten Anne Meermeyer-Decking, Werner Isermann und Christoph Stork, die ihnen auf vielfältige Art und Weise eine Auseinandersetzung mit dem Thema ermöglichten.  

Zu Beginn der Fortbildung wies Werner Isermann in einem kurzen Vortrag auf ein gesellschaftliches Grundproblem hin: „Durchschnittlich muss ein Kind, das Opfer sexualisierter Gewalt wurde, sieben Erwachsene ansprechen, bis es Hilfe erfährt.“ Angesichts dieser dramatischen Zahl und dem Hinweis, dass „etwa jedes fünfte Mädchen und jeder zwölfte Junge von sexualisierter Gewalt betroffen ist“, wurde das Ziel der Fortbildung klar vor Augen geführt: eine Kultur der Achtsamkeit zu schaffen, die es betroffenen Kindern und Jugendlichen schneller ermöglicht, sich trotz ihrer Ängste und Nöte zu öffnen und die für sie oft nicht in Worte zu fassenden Vorfälle auszusprechen. 

Dazu erhielten die Teilnehmer der Fortbildung zunächst grundlegendes Wissen zum Thema „sexualisierte Gewalt“: Sie wurden einerseits über entwicklungspsychologische Grundlagen, andererseits über Formen der Kindeswohlgefährdung und rechtliche Bestimmungen informiert.

Im Anschluss reflektierten sie das eigene Verhalten gegenüber Kindern und Jugendlichen, das im Schulalltag von Nähe, aber auch von einer notwendiger Distanz bestimmt ist und einer entsprechenden Balance bedarf, um den Schülern, aber auch sich selbst und der eigenen Rolle in der Schule gerecht zu werden. 

Die Strategien von Tätern wurden in einer weiteren Einheit in den Blick genommen. Dabei überraschte die Teilnehmer, wie wenig spontan sexuelle Übergriffe erfolgen. Vielmehr werden diese zumeist gezielt und lange Zeit vorher geplant. Zugleich wurden Anhaltspunkte vermittelt, die auf Vorfälle sexualisierter Gewalt schließen lassen können. So gibt es bei Kindern und Jugendlichen eine Reihe von Verhaltensweisen bzw. Verhaltensänderungen, die als Indiz für Übergriffe gedeutet werden können, diesen Hintergrund aber nicht zwingend haben müssen. Dementsprechend galt es in einer abschließenden Einheit, Handlungsstrategien zu entwickeln, die helfen, bei entsprechenden Verdachtsfällen angemessen zu reagieren.

Eine kurze Rückmeldung am Ende der Fortbildung ergab, dass sich die Teilnehmer deutlich besser über das Thema „sexualisierte Gewalt“ informiert fühlten, als dies zu Beginn der Fortbildung der Fall gewesen war. Umso mehr ist zu hoffen, dass solche Formen der Auseinandersetzung zunehmen und dazu beitragen, auch allgemein für das Thema zu sensibilisieren, um Vorfälle zu verhindern und es den Opfern zu erleichtern, sich ihren Mitmenschen anvertrauen zu können.

 

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