Schule und Erziehung

Lehrerin aus Litauen hospitiert am St.-Ursula-Gymnasium in Attendorn

In Markus Aufderlandwehr vom Sankt-Ursula-Gymnasium hat Jurate Damanskiene einen hervorragenden AnsprechpartnerAttendorn, 25.11.2014 „Ich fühle mich hier gut aufgehoben“, sagt Jurate Damanskiene und betont temperamentvoll „Ich liebe diese Schule.“ Attendorn und die schöne Landschaft schätzt sie ebenso: „Ein Bild, das ich in meinem Herzen behalten werde.“

Sie schwärmt von Attendorn, fühlt sich bei den Schwestern der Ursulinen wohl und lässt sich vom Schulbetrieb des St.-Ursula-Gymnasiums in Attendorn inspirieren, ja sogar mitreißen. Jurate Damanskiene (49) aus Litauen hospitiert derzeit für ein halbes Jahr im Schulunterricht des Gymnasiums.

Seit 2010 ist das St.-Ursula-Gymnasium eine sogenannte CertiLingua-Schule. Dies sind Schulen, die neben einer bilingualen Ausbildung besondere Angebote im Bereich fremdsprachlicher und internationaler Kenntnisse anbieten. Daher ist Jurate Damanskiene, die in Litauen an der Schule „Atzalynas“ in Telsiai beschäftigt ist, mit ihren Sprachen Deutsch und Englisch hier besonders gut aufgehoben.

Aller Anfang ist schwer, ist die Weisheit eines Sprichworts. „Für mich war auch vieles fremd und neu“, erinnert sich Jurate Damanskiene an die ersten Tage im September. Doch die Ordensschwestern der Ursulinen waren für sie vom ersten Tag an eine große Hilfe. „Zwischen uns ist eine enge Bindung entstanden. Hier habe ich wahre Gastfreundlichkeit erlebt“, so die Litauerin, die im Wohnheim der Ordensschwestern im Franziskaner Hof ihre Bleibe gefunden hat.

Ordensschwestern der Ursulinen gründeten vor mehr als 100 Jahren die Schule in Attendorn, die heute vom Erzbistum Paderborn getragen wird. Das „christliche Leben in der Schule“ beeindruckt Jurate Damanskiene: „Ein Kompliment auch an die Schüler für ihre spirituelle Entwicklung. Ich bewundere das Verhalten der Schüler zum Beispiel auch bei der Schulmesse.“

Der Glauben ist für Jurate Damanskiene ganz wichtig. Daran könne sie auch persönlich wachsen, wenn sie wie hier den Geist der Gemeinschaft erlebt und Nächstenliebe erfährt. Das passt auch zum Selbstverständnis der Schule, die auch im Sinne ihrer Namensgeberin – der heiligen Ursula – Wissen vermitteln will, dabei die aktuelle Situation stärken und die Schüler auf ihr zukünftiges Leben vorbereiten möchte. „Man merkt hier noch den Geist der Ursulinen.“

„Der Unterricht fasziniert mich.“ Und so ist für Jurate Damanskiene die Hospitation mehr als nur fachliche Wissensvermittlung. „Was nehmen Sie am Ende mit aus Ihrer Zeit in Attendorn?“ Die Litauerin hat auf diese Frage gleich drei Antworten parat: „Als Lehrer für die Schüler zu denken, was ist das Beste für sie. Mehr Zeit für Kommunikation und weniger Frontalunterricht. Mehr Raum lassen für persönliche Entwicklung.“

Bei einer Tagung für CertiLingua-Schulen im Dezember 2011 traf Markus Aufderlandwehr, Koordinator für Fremdsprachen am St.-Ursula-Gymansium, auf Kollegen der Universität Kaunas. Ein paar Monate später folgte eine Delegation aus Litauen seiner Einladung nach Attendorn, um sich hier vor Ort über den bilingualen Unterricht zu informieren. Im Oktober 2013 durfte Aufderlandwehr dann in Kaunas einen Gastvortrag an der Universität halten. So entstanden die Kontakte und die Hauptabteilung Schule und Erziehung im Erzbischöflichen Generalvikariat Paderborn gab schnell „grünes Licht“ für eine engere Zusammenarbeit.

„Ich finde gut, dass mir diese Chance gegeben wurde, ein halbes Jahr etwas anderes zu machen“, freut sich Jurate Damanskiene, die in Litauen an der Schule „Atzalynas“ in Telsiai (30.000 Einwohner) unterrichtet, an der sie auch selbst ihr Abitur gemacht hat. Studiert hat sie dann in Vilnius Slvavistik, in Riga Germanistik und in Klaipeda noch Englisch. Neben der Lehrertätigkeit in Telsiai ist sie auch Lektorin am Priesterseminar V. Borisevicius in Telsiai. „Ich komme aus einer Lehrerfamlie: Großmutter, Tante, Eltern und Schwester sind alle Lehrer.“

„Im bilingualen Unterricht machen uns die kleinen Länder was vor“, ist Markus Aufderlandwehr angetan vom sprachlichen Können eben auch in Litauen. Die Kombination Englisch und Deutsch passt dann für Jurate Damanskiene gut ins Aufgabengebiet an der St.-Ursula-Schule, die mit zu den „Pionieren“ des bilingualen Unterrichts in Deutschland gehörte.

In ihrer Hospitation gibt Jurate Damanskiene in verschiedenen Klassen auch Unterricht nach dem Lehrbuch, aber auch darüber hinaus zu Alltäglichkeiten. Dabei findet sie den Vergleich der Schüler der gleichen Jahrgangsstufen mit ihrer Heimat besonders interessant. Durch Projekte soll auch das Wissen über die beiden Länden – Deutschland und Litauen – in den jeweiligen Schulen verbessert werden. Dazu gehören Texte und Fotos, die ausgetauscht werden, oder das Video-Clip-Projekt der Klasse 9.

„In meiner Heimat ist die Nachfrage nach Deutsch-Unterricht weniger geworden, dafür steigt das Interesse an russisch“, erklärt Jurate Damanskiene, die an ihrer Schule in Telsiai „nur“ in kleinen Gruppen Deutsch unterrichtet. Dass sie in Attendorn auch Landeskunde über Litauen bilingual weitergeben durfte, freut Jurate Damanskiene besonders. „Aber die Schüler haben mir dabei sehr geholfen und sich sehr interessiert.“ Die Kreativität der Schüler und die Tüchtigkeit bei den Hausaufgaben hat sie beeindruckt.

Den Mauerfall vor 25 Jahren feiert Deutschland in diesen Tagen. „In Litauen feiern wir im nächsten Jahr die 25-jährige Unabhängigkeit“, blickt Jurate Damanskiene mit gemischten Gefühlen auf das Jubiläum. „Die politischen Ereignisse in der Ukraine haben es mir hier in Attendorn am Anfang auch schwer gemacht. Denn die Litauer sind besorgt, sicher fühlt man sich derzeit nicht. Die Dimension einiger Aussagen aus Russland wird hier gar nicht so wahrgenommen wie in Litauen und auch Lettland.“

„Für uns ist das auf jeden Fall ein Austausch, der für beide Seiten Gewinn bringt“, ist sich Markus Aufderlandwehr sicher und ergänzt: „Ich bin fasziniert von dem kleinen Land und den offenen Menschen.“

Für das Ministerium muss Jurate Damanskiene auch Analysen ihrer Hospitation schreiben. Fremdsprachenunterricht, bilingualer Unterricht, Organisation und Veranstaltungen werden darin eine große Rolle spielen. Ihr Herz nimmt noch ganz andere positive Eindrücke mit. „Die Dankbarkeit im Alltag wird oft vergessen“, fühlt sie sich in Attendorn wohl und erinnerst sich daran, dass sie vor zwanzig Jahren mal an einem Lehrgang in der Politischen Akademie Biggesee in Neu-Listernohl teilgenommen hat. Zufall, aber ein schöner Zufall.

Denn Jurate Damanskiene betont immer wieder gern, wie gut sie sich hier aufgehoben fühlt: bei den Schwestern, in der Schule und eben auch in Attendorn selbst: „Eine gemütliche Stadt, mit einer mittelalterlichen Innenstadt, viel Atmosphäre und netten Menschen. Ich habe die Werte der Region schätzen gelernt und das Bild behalte ich in meinem Herzen.“

Jetzt freut sie sich auch auf die Zeit der Weihnachtsmärkte, auf den Duft von Bratwurst und Glühwein. Denn so etwas gibt es in Litauen eher weniger.

                                                                                                                                Ronald Pfaff

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