Schule und Erziehung

„Fake oder War doch nur Spaß“ – Theaterstück zum Thema Cybermobbing und Medienkompetenz am Gymnasium St. Xaver

Die Schauspieler der Theatergruppe Radiks vermochten mit hervorragenden darstellerischen Leistungen die Schülerinnen und Schüler der Klassen 8 für ein schwieriges Thema sensibilisieren.Bad Driburg, 6.10.2014 Wie begegnet man den Problemen, die sich mit dem alltäglichen Gebrauch der neuen Medien einstellen? Wie können junge Menschen dahin geführt werden, sich in sozialen Netzwerken umsichtig zu verhalten? Wie kann Mobbing jeglicher Art, speziell im Internet, verhindert werden und welche Handlungsmöglichkeiten hat man, wenn es schon so weit gekommen ist?

Das Ensemble „Radiks“ aus Berlin verzichtet auf den erhobenen Zeigefinger. Es möchte nicht moralisierend wirken, sondern Jugendliche nachdenklich stimmen und ihnen ermöglichen, sich mit der Thematik auseinanderzusetzen und eine eigene Position zu entwickeln. Aus diesem Grund wurde den Schülerinnen und Schülern der Klasse 8 die Geschichte um die 17jährige Schülerin Lea präsentiert, und zwar als Theaterstück mit zwei Schauspielern, die sowohl als handelnde Personen als auch als kommentierende Erzähler auftraten.

Die Schülerinnen und Schüler wurden spürbar von der Geschichte um Lea in den Bann gezogen, die zunächst als durchaus beliebte Schülerin immer mehr in den Strudel von Ablehnung und Hass der Mitschüler gerät. Lea hat das Bedürfnis, anerkannt zu werden und bewirbt sich bei einer Agentur als Schauspielerin. Doch der Erfolg sorgt für Neid unter den Mitschülern, die beginnen, sie im Internet zu attackieren. Lea sieht keinen anderen Weg, als dem „Shitstorm“, mit dem sie konfrontiert wird und der von scheinbaren Freunden ausgelöst wurde, durch eigene Aktionen in sozialen Netzwerken zu begegnen. Damit jedoch gerät alles mehr und mehr außer Kontrolle und Lea gibt irgendwann auf und weiß sich nicht mehr anders zu helfen, als ihrem Leben ein Ende zu machen. Dass dies durch einen guten Freund verhindert werden kann, ist für Lea ein großes Glück – beseitigt jedoch nicht die vielen Fragen, die sich um ihr Schicksal auftun.

Geschickt haben die beiden Schauspieler des Ensembles immer wieder die Geschichte durch Kommentare der Erzähler unterbrochen und damit eine Distanz zu dem Erzählten geschaffen, die es den Schüler ermöglichte, die Geschehnisse zu reflektieren und zu erfassen, dass es sich mehr als um ein durchaus unterhaltsames Theaterstück handelt. Es konnte ihnen bewusst werden, dass die Geschichte auf Wahrheiten basiert und diese Wahrheiten mit dramatischen Konsequenzen verknüpft sind. Ihnen wurde deutlich, dass scheinbar nur virtuelle Beschimpfungen und Attacken viel realer und gefährlicher sind als Konflikte, die unmittelbar ausgetragen werden.

An dieser Stelle sollte den Schauspielern ein großes Lob ausgesprochen werden, denen es durch ihre authentische Darstellung gelungen ist, die Spannung über das ganze Stück aufrechtzuerhalten und so bei den Schülern Impulse für kritisches Denken zu setzen. Der lang anhaltende und kräftige Applaus und das Interesse der Schüler in der anschließenden Diskussion bestätigten, dass mit der Aufführung ein wichtiger Schritt für einen bewussteren Umgang mit der uns immer wieder konfrontierenden Problematik des Cybermobbings gegangen wurde. Das Gefühl der persönlichen Betroffenheit, ob als Täter, Opfer oder bloßer Zuschauer, welches mit einer Identifikation mit den Figuren einhergeht, bewirkt vermutlich wesentlich mehr als jede Belehrung. Der scheinbare „Fake“ ist kein Spaß – diese Nachricht ist bei den Schülerinnen und Schülern angekommen und hat sie berührt und wird sicherlich auch Spuren im Schulleben des Gymnasiums St. Xaver hinterlassen.

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