Schule und Erziehung

Über Buchenwald nach Weimar

Der "Klassiker" in Weimar: Die Schülerinnen von St. Michael am Schiller-Goethe-Denkmal vor dem Deutschen Nationaltheater.© Ruth Pelizäus-HermesPaderborn, 5.12.2013 Die 35 Schülerinnen der Deutschkurse von Pastor Achim Hoppe und Ruth Pelizäus-Hermes wollten nicht in Weimar die Gedenkstätten der Klassik besuchen, ohne sich zuvor in Buchenwald an das unvorstellbare Grauen des Holocausts erinnert zu haben.

Das ehemalige KZ-Gelände des Konzentrationslagers versteckte sich an diesem eiskalten Freitagmorgen, dem 22. November, in dichtem Nebel. Es gab den Blick nicht frei auf diese Stätte der Barbarei, die mitten auf dem Ettersberg gelegen, sich nur dem zeigte, der das Tor mit der zynischen Inschrift „Jedem das Seine“ und die Nebelwand mutig durchschritt. – Wir taten es und warfen erschreckte Blicke durch rostige Gitterstäbe in die Arrestzellen, unmenschliche fensterlose Käfige der Misshandlung und des Todes. – Wir schritten entsetzt schweigend weiter zum Krematorium, an der Genickschussanlage vorbei, die eine infernalische Phantasie konstruiert hatte. Für das dreistöckige Ausstellungsgebäude war unsere Zeit (zu) kurz bemessen. Doch das, was wir sahen und lasen, war allemal genug, um es nie wieder zu vergessen! -

Die Abfahrt zur Hochburg der Klassik schuf Abstand zum Durchatmen, aber auch zum Nach-denken - z.B. über die Wirkungsmächtigkeit von Literatur und dem hehren Humanitätsideal des Dichterfürsten: „Edel sei der Mensch, / Hilfreich und gut!“ („Das Göttliche“, Johann Wolfgang Goethe) –

Als der Philosoph Adorno in New York den Satz schrieb, „nach Auschwitz ein Gedicht zu schreiben ist barbarisch“ und „unmöglich“, dichtete Paul Celan, dem Diktum zum Trotz - in seiner „Todesfuge“ „…der Tod ist ein Meister aus Deutschland“ . Erschütternde Verse, die das Grauen der KZs versuchen in Sprache zu verdichten. -

Die Exkursion der zwei Deutschkurse über Buchenwald nach Weimar machte die unerträgliche Spannung zwischen kulturellem Höhenflug und barbarischem Absturz an den historischen Stätten für alle erlebbar.

Text/ Foto: Ruth Pelizäus-Hermes

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