Schule und Erziehung

Es sind Brücken gebaut worden: Partnerschaft zwischen den Edith- Stein- Schulen in Lubliniec und Paderborn

Zum Gruppenbild vereint: Schülerinnen und Schüler beider Schulen mit ihren Lehrern (v.l.n.r.): Elisabeth Speer, Krzysztof Gembala,Britta Ewers-Nübel, Dr. Magdalene Marx, Ewa Lesik, Brigitte Nübel, Dariusz Przylas.Paderborn/ Lubliniec, 20.4.2012 Es war ein gemeinsames Projekt von Schülerinnen und Schülern beider Schulen in Lubliniec und Paderborn: die Aufführung des selbst inszenierten Musicals "Auf den Spuren Edith Steins". Das Lied über Edith Stein „Unsere Edith“, die gemeinsame Namenspatronin der Schule in Lubliniec (Polen) und Paderborn, das zum Abschluss des  Musicals  gesungen wurde, symbolisierte diese Brücke, diese echte innere Verbindung zwischen den polnischen und deutschen Schülern und Lehrern.


Gemeinsames Singen und Theater spielen

Angefangen hatte es im August 2009 mit einer Begegnung der Schulleiter beider Edith-Stein-Schulen, Dr. Magdalene Marx und Dariusz Przylas, in Oswiecim (Auschwitz). Daraus ergab sich eine Einladung der Schüler der „EDYTY Stein Skola“ in Lubliniec in das Edith-Stein-Berufskolleg nach Paderborn. Krzysztof Gembala, der Musiklehrer der Schule in Lubliniec, führte zusammen mit seinen Schülern im Spiegelsaal in Schloss Neuhaus seine selbst komponierte Kantate auf, die das Leben Edith Steins musikalisch darstellte. Am Edith-Stein-Berufskolleg in Paderborn war vor einigen Jahren anlässlich einer Jubiläumsfeier ein Theaterstück über das Leben Edith Steins von Marita Tödtmann, der Leiterin der Theater-AG der Schule, verfasst und von Schülern aufgeführt worden. Die Idee war geboren: Kantate und Theaterstück sollten gemeinsam in einer Bühneninszenierung aufgeführt werden.

Musical "Auf den Spuren Edith Steins"

Viele Mails und Telefonate, gegenseitige Besuche der für die Bühneninszenierung verantwortlichen Lehrer - Marita Tödtmann,  Elisabeth Speer,  Britta Ewers- Nübel für die deutsche Seite und Ewa Lesik und Krzysztof Gembala für die polnische Seite - und zwei Proben – im November 2011 in Paderborn und im März 2012 in Lubliniec führten zur Bühnenreife des so entstandenen gemeinsamen Musicals „Auf den Spuren Edith Steins“.

Schüler des polnischen Orchesters Och (l.) und der Theater-AG des Edith-Stein-Berufskollegs (r) mit den Protagonisten (vorne v.l.n.r.) Annika Baier (Edith Stein als Ordensfrau), Veronika Pietsch, Julian Lieneke und Alexandra Leontaris (als junge Edith Stein).Ermöglicht wurden diese Begegnungen durch das Comenius-Projekt, das vom europäischen Parlament gefördert wird. Hintergrund dieses Projekts ist das Bestreben, den europäischen Dialog zu fördern, indem von den Beteiligten Kenntnisse über und Verständnis für die Vielfalt der europäischen Kulturen und Sprachen erworben werden. Britta Ewers-Nübel, die Comenius-Beauftragte des Edith-Stein-Berufskollegs in Paderborn, und Ewa Lesik, die Comenius-Beauftragte der Schule in Lubliniec, leiteten dieses bilaterale Comenius-Projekt beider Schulen. Auf beiden Seiten wurde die Kultur, die Geschichte und die Sprache des jeweiligen anderen Landes in Arbeitsgruppen vermittelt, so dass eine gegenseitige Achtung, ein Verständnis und ein Verstehen beider Völker ermöglicht wurden. Die Verständigung beider Gruppen wurde erleichtert durch die Zweisprachigkeit von Brigitte Nübel, zweite Vorsitzende des Fördervereins des Edith-Stein-Berufskollegs und Mutter einer Schülerin, und durch einige Schüler auf beiden Seiten, die die deutsche und die polnische Sprache sprachen.

Zu Gast in Lubliniec

Die Begrüßung der deutschen Gäste aus Paderborn in der Edyty Stein Skola in Lubliniec im März 2012 erfolgte einer alten Tradition folgend durch zwei Schülerinnen, die in schlesischer Tracht den Gästen Brot und Salz reichten. Die deutschen Schülerinnen und Schüler erfuhren eine sehr große Gastfreundschaft, besonders lernten sie die polnische Küche in ihrer großen Vielfalt und Köstlichkeit kennen. Das Rahmenprogramm des Besuchs in Lubliniec war sehr abwechslungsreich gestaltet. Die deutschen Schüler lernten die Stadt Lubliniec kennen, deren Patronin Edith Stein ist. Die Großeltern Edith Steins lebten in Lubliniec und so verbrachte Edith Stein oft ihre Ferien bei den Großeltern, der Familie Courant. Heute erinnert an Edith Stein ein sehr sehenswertes Edith-Stein-Museum und die Edith-Stein-Kirche, die erste Kirche, die der Heiligen Edith Stein - Schwester Benedicta a Cruce - geweiht wurde.

Besonders erwähnt sei der Besuch der Stadt Krakau. Diese Stadt an der Weichsel beeindruckt durch sein Königsschloss und die Kathedrale und viele historische Renaissance- und Barockbauten. Ein sehr farbenfrohes Bild entstand durch den Ostermarkt auf dem Hauptmarkt Krakaus. Tief bewegt hat die deutschen Schüler der Besuch des Museums „Schindlers Fabrik“ in Kasimierz. Das Museum stellt in einer sehr anschaulichen Art und Weise das Schicksal des polnischen und der jüdischen Bevölkerung während der Zeit 1941-1943 dar, als die Nationalsozialisten fast die ganze jüdische Bevölkerung ermordeten. „Wir können es heute nur besser machen“, war die erschütterte Antwort eines deutschen Schülers. Die Schüler hatten den Wunsch dieses Museum erneut zu besuchen, falls sie der Weg noch einmal nach Krakau führen sollte. Das wird voraussichtlich im August 2012 sein, wenn das Musical in Auschwitz anlässlich des 70. Todestages von Edith Stein aufgeführt wird.

Ein weiterer wichtiger Programmpunkt war der Besuch der heiligen Messe im Paulinerkloster auf dem Jasna Gora, dem „Heiligen Berg „ über der Stadt Tschenstochau (Czestochawa). Die Kapelle von Tschenstochau gilt als heiliger Ort. In dem 1650 geschaffenen Hauptaltar befindet sich die Schwarze Madonna, das in Polen am meisten verehrte Bild der Muttergottes. Gestärkt durch den Besuch bei der Schwarzen Madonna wurde die 12stündige Heimreise nach Paderborn angetreten. Vielfältige Kontakte der Schüler durch die Begegnungen in den letzen Jahren haben echte Freundschaften entstehen lassen.

Dieses Comenius-Projekt hat zur Völkerverständigung beigetragen. Dieses ist gerade bei der jungen Generation notwendig, die den 2.Weltkrieg nur aus Geschichtsbüchern kennt. Großes Interesse für die Geschichte des polnischen Volkes wurde bei den deutschen Schülern durch diese persönlichen Begegnungen geweckt. Grillparty, Diskobesuch und das gemeinsame Singen zur Gitarre zu den neuesten Songs zeigte, dass sich deutsche und polnische Jugendliche in ihren Interessen nicht unterscheiden.

Diese Fahrt wird in bleibender Erinnerung bleiben. In den Köpfen und Herzen auf beiden Seiten.

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