Schule und Erziehung

„Ganzheitliche Bildung ist ohne Erziehung nicht denkbar“

Erzbischof Hans-Josef Becker München / Paderborn, 13. Mai 2011 (pdp/dbk). Erzbischof Hans-Josef Becker hat sich beim sechsten Bundeskongress Katholische Schulen in München für ein ganzheitliches Bildungsverständnis eingesetzt. „Bildung in unserem Verständnis zielt auf die Entwicklung der Persönlichkeit, und zwar nicht nur in ihrer kognitiven, sondern auch in ihrer emotionalen, soziologischen, motorischen und nicht zuletzt religiösen Dimension“, sagte der Paderborner Erzbischof, der zugleich Vorsitzender der Kommission für Erziehung und Schule der Deutschen Bischofskonferenz ist.

Der Erzbischof wandte sich gegen eine Engführung des Bildungsbegriffs „im Sinne einer Gleichsetzung von Bildung mit dem Erwerb sprachlicher, mathematischer und naturwissenschaftlicher Kompetenzen“. Bildung dürfe auch nicht auf eine „Dienstmagd zur Verfolgung rein wirtschaftlicher Interessen“ reduziert werden, sondern müsse immer auch erzieherische Aspekte beinhalten. „Ganzheitliche Bildung, wie wir sie verstehen, ist ohne Erziehung nicht denkbar“, so Erzbischof Becker.

Im Rückblick auf das von Fällen sexuellen Missbrauchs Minderjähriger geprägte letzte Jahr sagte Erzbischof Hans-Josef Becker, er wolle alle Schulträger und Lehrkräfte ermutigen, in den Schulen und Kollegien weiterhin den Umgang mit Nähe und Distanz zu reflektieren. „Diese Reflexionsarbeit“, so der Vorsitzende der Kommission VII, „sind wir den uns anvertrauten Kindern und Jugendlichen im Sinne einer Kultur der gegenseitigen Achtung, des Respekts und der Wertschätzung schuldig.“

Gastredner beim Bundeskongress Katholische Schulen war der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Erzbischof Dr. Robert Zollitsch, der in seinem Vortrag das Fundament katholischer Schulen betonte: „Der Ausgangspunkt und zugleich das oberste Ziel des kirchlichen Engagements im Bereich von Erziehung und Bildung ist die Förderung des von Gott um seiner selbst willen geschaffenen Menschen in seinen persönlichen menschlichen Anlagen.“ Zugleich warnte Zollitsch davor, dem Leistungsprinzip im Bildungswesen eine absolute Priorität einzuräumen, denn das Ziel sei „nicht der Mensch, der funktioniert, der an die ökonomischen Erfordernisse und den jeweiligen Mainstream der politisch korrekten Meinungen angepasst und letztlich fremd gesteuert ist, sondern der Mensch, der aus seiner Personmitte heraus verantwortlich entscheidet und in Freiheit handelt.“

Professor Dr. Detlef Horster von der Leibniz Universität Hannover hob die besondere Bedeutung von Vorbildern für die schulische Erziehung hervor. Diese Vorbilder sollten „gradlinig und glaubwürdig“ sein. „Die Jugend sucht Vorbilder, von denen sie sicher sein kann, dass keine Enttäuschung folgt. Man müsse nicht alles realisieren, was die Vorbilder für richtig halten. Doch die Ziele sollten für erstrebenswert gehalten werden können“, so der Sozialphilosoph.

Der Bundeskongress Katholische Schulen wird in regelmäßigen Abständen vom Arbeitskreis Katholischer Schulen in freier Trägerschaft in der Bundesrepublik Deutschland (AKS) veranstaltet. In diesem Jahr haben sich über 300 Schulträger und Bildungsverantwortliche zu Fachgesprächen und Vorträgen zum Thema „Keine Bildung ohne Erziehung. Der besondere Auftrag katholischer Schulen“ in München getroffen.

Die Vorträge von Erzbischof Dr. Zollitsch und Erzbischof Becker stehen hier zum Download zur Verfügung:

Vortrag von Erzbischof Dr. Zollitsch

Vortrag von Erzbischof Becker

Quelle: PDP vom 13.5.2011 (Erzbischöfliche Presse- und Informationsstelle)

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