Schule und Erziehung

Zehn Jahre Partnerschaft der Marienschule Bielefeld mit Stanislaw-Kostka-Lyzeum (Lublin)

Direktor Günter Kunert erhält von Erzbischof Josef Zycinski (Lublin)den Orden "Lumen Mundi" .Bielefeld/ Paderborn 18.10.2010 Seit dem Jahr 2000 besteht zwischen der Marienschule der Ursulinen Bielefeld und dem bischöflichen Stanislaw-Kostka-Lyzeum im südostpolnischen Lublin - Ort auch des KZ Majdanek - eine intensive Schulpartnerschaft. Vor allem die gemeinsame Projektarbeit, in einem Jahr in Lublin, im anderen Jahr in Bielefeld, bestimmt die Schulpartnerschaft: „Alter und Jugend“, “Stadtprofile“, „Religionen und Konfessionen“ waren beispielsweise Themen der letzten zehn Jahre, die von den deutschen und polnischen Schülergruppen bearbeitet wurden.

In diesem Jahr war zunächst wieder Lublin der Ort gemeinsamer Arbeit; diesmal mit dem Thema: „Galizien - ein verschwundenes Land?“

18 Schülerinnen und Schüler der Marienschule der Oberstufe, begleitet von Direktor Günter Kunert und den Geschichtslehrern Beate Quakernack und Manfred Sewekow, reisten vom 11.-18.9.2010 mit der Bahn nach Lublin. Erwartet wurden sie von einer entsprechenden Schülergruppe aus dem Stanislaw-Kostka-Lyzeum, die sich parallel auf das Thema vorbereitet hatte.

Zweitägige Exkursion nach Galizien

In Präsentationen zum historischen Territorium Galizien und in kreativ-szenischen Impulsen zu berühmten Persönlichkeiten aus Galizien (z.B. Rose Ausländer, Mascha Kaleko, Stanislaw Jerzy Lec), vor allem aber in einer 2-tägigen Exkursion in die heutige polnisch-ukrainische Grenzregion nach Przemysl und Sanok sowie nach Lemberg/Lwow/Lwiw (Ukraine) spürte die polnisch-deutsche Gruppe der historischen Region Galizien nach: Polnische, österreichische, russische, sowjetische, ukrainische, deutsche und jüdische sowie an der wechselvollen Geschichte der Kirchen ablesbare griechisch-katholisch-ruthenische, römisch-katholische und orthodoxe Einflüsse prägen jeden dieser Orte und verweisen auf eine einstige Multikulturalität, die vielleicht mit der kommenden Fußball-EM 2012 wieder mehr ins europäisches Bewusstein gerückt wird: Lemberg wird bekanntlich einer der Austragungsorte sein. Die Begegnung mit dem historischen und aktuellen Lemberg, Höhepunkt der Exkursion, wäre im Übrigen ohne großzügigen Zuschuss der Bielefelder Lions-Hilfe e.V. für das diesjährige Projekt so nicht möglich gewesen.

Ehrung für Günter Kunert

Für die gesamte gemeinsame Arbeit der beiden Partnerschulen in den vergangenen zehn Jahren verlieh der Erzbischof-Metropolit von Lublin, Josef Zycinski, am 17.9.2010 in der Festmesse im Lubliner Dom anlässlich des alljährlichen Schulfestes zum Patrozinium des hl. Stanislaw Kostka (1550-1568) dem Direktor der Marienschule, Günter Kunert, den Orden „Lumen Mundi“ („Ein Licht für die Welt“). Mit einer öffentlichen Urkunde würdigte er außerdem die 10-jährige inhaltliche Projektverantwortung von Manfred Sewekow, Geschichts-, Religions- und Deutschlehrer an der Marienschule.

Der Erzbischof honorierte mit diesen Auszeichnungen – wie er ausdrücklich betonte - das Engagement der Marienschule auch für die komplizierte polnisch-deutsche Verständigung. Der Orden „Lumen Mundi“, bisher polnischen Persönlichkeiten aus Wissenschaft und Pädagogik verliehen, ist die zweite ehrenvolle Auszeichnung, nachdem S. Carola – jahrzehntelang Direktorin der Marienschule und Inspiratorin der Schulpartnerschaft – im Jahr 2004 die Verdienstmedaillie des Lubliner Stadtpräsidenten, ebenfalls in der Lubliner Bischofskirche, erhalten hat.

Schulpartnerschaften mit Tradition

Der Bielefelder Ursulinenkonvent – seit 1687 in Breslau am Ritterplatz ansässig, nach seiner Vertreibung dann 1946 im Erzbistum Paderborn von Erzbischof Lorenz Jaeger willkommen geheißen und nach Bielefeld gesandt – hat nie nur zurückgeschaut, sondern sich entschlossen der Gegenwart gestellt und nach Möglichkeiten einer künftigen Zusammenarbeit unter den Gegebenheiten insbes. nach 1989 gesucht: Die Partnerschaft zu einer Schule im russischen Nowgorod, die seit 1990 nun 20 Jahre Bestand hat, spricht ebenso für den Erfolg dieser Bemühungen wie die seit 2000 bestehende Partnerschaft zur polnischen Schule.

Das Stanislaw-Kostka-Lyzeum, beheimatet in einer typisch polnisch-katholisch geprägten Region, Sitz der Katholischen Universität Lublin, an der Johannes Paul II. einst Professor war, sieht aufgrund seiner Nähe zur Ukraine und zu Weißrussland die orthodoxe Kirche als Gegenüber. Die Marienschule dagegen hat aufgrund ihrer Lage in Bielefeld ein traditionell protestantisches, vor allem aber auch säkular geprägtes Umfeld. In diesen Jahren der Partnerschaft mit der Marienschule konnte das Lyzeum Formen ökumenischer Zusammenarbeit auf dem Fundament selbstverständlicher Katholizität inmitten der Herausforderungen einer säkular-agnostischen Umgebung erleben: Eine solche Schule im Nordosten des Erzbistums Paderborn vermittelt den polnischen Partnern ein differenzierteres Bild von der Situation der Kirche in Deutschland und dem Alltag von evangelischen und katholischen Christen. Dies würdigte auch der Metropolit der Lubliner Kirchenprovinz, Erzbischof Josef Zycinski, dem auch das Erzbistum Paderborn nicht unbekannt ist. Kardinal Degenhardt sei er verschiedentlich begegnet. Im Juni 2011 wird der Erzbischof, selbst promovierter Theologe, in Münster zu Besuch weilen – vielleicht Gelegenheit für eine Begegnung in Bielefeld.

Sie sind hier: Katholische Schulen
Erzbistum Paderborn