Schule und Erziehung

Zur Konfessionalität des Religionsunterrichts

Votum der evangelischen Landeskirchen und der katholischen (Erz-)Bistümer in Nordrhein-Westfalen
Vereinbarung vom 14. Mai 1998, Az. A 61-13.03.9/1

Nach den Bestimmungen des Grundgesetzes (Art. 7 Abs. 3 GG) und der Landesverfassung (Art. 14 LV NW) ist der Religionsunterricht an öffentlichen Schulen ordentliches Lehrfach. Er wird in Übereinstimmung mit den Grundsätzen der Religionsgemeinschaften und nach Konfessionen getrennt erteilt. Das Grundverständnis des konfessionellen Religionsunterrichtes in den beiden Kirchen ist niedergelegt in folgenden Schriften: Denkschrift der Evangelischen Kirche in Deutschland „Identität und Verständigung“ (1994); Die Deutschen Bischöfe: Die bildende Kraft des Religionsunterrichts (1996); Kundgebung der 9. Synode der EKD in Friedrichroda vom 25. Mai 1997 zum Religionsunterricht. Der Religionsunterricht findet in allen Schulstufen und Schulformen unter Berücksichtigung des Grundsatzes der Konfessionalität statt. Unbeschadet der besonderen Verpflichtung des Staates, für eine ordnungsgemäße Durchführung des Religionsunterrichts gemäß den schulrechtlichen Bestimmungen (§§ 1, 17 bis 22, 31 bis 35 SchOG) zu sorgen, sind die Kirchen im besonderen übereingekommen:

Für die Grundschule
Aus pädagogischen und didaktischen Gründen erfolgt die Unterrichtung der einzelnen Fächer im Anfangsunterricht der Grundschule nicht immer im üblichen Stundenschema. In dieser Phase bis zum Beginn des Fachunterrichtes (längstens 10 Wochen) kann auf die Teilung in konfessionell homogene Gruppen verzichtet werden, wenn beim Kind die Beheimatung im konkreten Glauben einer erfahrbaren Gemeinschaft nicht preisgegeben wird. Es liegt nahe, daß dann der Religionsunterricht durch die Klassenlehrerin/den Klassenlehrer erteilt wird. Das ist aber nur möglich, wenn sie/er im Besitz der missio canonica bzw. der Vokation ist. Die Schülerinnen und Schüler der betreffenden Klassen nehmen gemeinsam an diesem Unterricht teil, sofern sie nicht vom Religionsunterricht abgemeldet sind oder als Nichtchristen eine Teilnahme nicht wünschen. Wo es mit Hinweis auf geringe Schülerzahlen nicht möglich ist, konfessionelle Lerngruppen zusammenzustellen, empfiehlt es sich, im Einvernehmen mit den Kirchen Religionsunterricht für Schülerinnen und Schüler anderer christlicher Bekenntnisse zu öffnen, bevor Religionsunterricht ausfällt oder Lerngruppen aus mehr als zwei Jahrgängen zusammengestellt werden. Dabei ist in jedem Einzelfall der Wille der betroffenen Eltern zu beachten.

Für die Sekundarstufe I
In der Sekundarstufe I gibt es, unbeschadet der grundsätzlichen und unaufgebbaren konfessionellen Bindung, Situationen, in denen sich der Religionsunterricht für Schülerinnen und Schüler öffnet, die nicht dem betreffenden Bekenntnis angehören, z.B. wenn einzelne religionsmündige Schülerinnen/Schüler oder Eltern für ihre religionsunmündigen Kinder die Teilnahme am Religionsunterricht der jeweils anderen Konfession wünschen.
Um den Charakter der konfessionellen Unterrichtsveranstaltung nicht zu gefährden, ist auf möglichst weitgehende Homogenität der Lerngruppe zu achten. Deswegen ist die Zustimmung der aufnehmenden Lehrerin, bzw. des aufnehmenden Lehrers notwendig. Unabhängig von der Öffnung des Religionsunterrichtes für Schülerinnen und Schüler anderer Konfessionen ist der Religionsunterricht in konfessionell gemischten Lerngruppen die Ausnahme. Wo es mit Hinweis auf geringe Schülerzahler nicht möglich ist, konfessionelle Lerngruppe zusammenzustellen, empfiehlt es sich, im Einvernehmen mit den Kirchen Religionsunterricht für Schülerinnen und Schüler anderer christlicher Bekenntnisse zu öffnen, bevor Religionsunterricht ausfällt oder Lerngruppen aus mehr als zwei Jahrgangsstufen zusammengestellt werden. Dabei ist in jedem Einzelfall der Wille der betroffenen Eltern bzw. der religionsmündigen Schülerinnen und Schüler zu beachten.

Für die Sekundarstufe II
Auch in der Sekundarstufe II wird Religionsunterricht in Bindung an die Konfessionen erteilt und muß den Schülerinnen und Schülern ihrem Bekenntnis entsprechend zugänglich sein. Keine Schülerin/kein Schüler darf aus organisatorischen Gründen dem Religionsunterricht der anderen Konfession zugewiesen werden.
Unbeschadet dieses Grundsatzes können in der gymnasialen Oberstufe in besonderen Fällen zur Sicherung der Schullaufbahn der betroffenen Schülerinnen und Schüler auf Antrag der Schulleitung im Einvernehmen mit den Kirchen Sonderregelungen für den Einzelfall getroffen werden. Wo an einer Berufsschule (Teilzeitschule) mit Hinweis auf geringe Schülerzahlen keine konfessionell homogenen Lerngruppen eingerichtet werden können, ist eine einvernehmliche Regelung hinsichtlich der Zulassung von Schülerinnen und Schülern zum Religionsunterricht, der nicht ihrer Konfession entspricht, zwischen den staatlich Schulbehörden und den Kirchen erforderlich. Dabei ist in jedem Einzelfall der Wille der religionsmündigen Schülerinnen und Schüler zu beachten.

Für die Sonderschule
Der konfessionelle Religionsunterricht an Sonderschulen will Schülerinnen und Schülern mit Behinderungen lebenförderliche Grundeinstellungen und Halt aus dem Glauben eröffnen. Mehr als in anderen Schularten bedarf es dazu konkreter Anknüpfungspunkte und Erfahrungsbezüge aus den Lernorten Kirche und Schule.
Dort, wo wegen der unterschiedlichen Behinderungen Kinder nicht in der Lage sind, einen Bezug zur kirchlicher Gemeinde in irgendeiner Form herzustellen oder aufrechtzuerhalten, kann die gemeinsame Lerngemeinschaft den Erfahrungsraum bieten, den Glauben zu erleben und zu feiern. Die emotionale Beziehung zur Lehrerin oder zum Lehrer kann es erforderlich erscheinen lassen, die Schülerinnen und Schüler unterschiedlicher Konfessionen zeitweise gemeinsam zu unterrichten, um die Lebenswirklichkeit der christlichen Botschaft durch die vertraute Bezugsperson zu vermitteln. Auch hier ist in jedem Einzelfall der Wille der betroffenen Eltern bzw. der religionsmündigen Schülerinnen und Schüler zu beachten
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Erzbistum Paderborn