Schule und Erziehung

"Alles was Recht ist...": Förderunterricht statt Religionsunterricht?

Paderborn, 1.6.2012 Die Schulleiterin einer Grundschule entscheidet nach Rücksprache mit den Eltern, dass ein im Fach Mathematik besonders schwacher Schüler der Klasse 4 für ein Vierteljahr an einem entsprechenden Förderunterricht der Klasse 3 teilnehmen soll. Aus stundenplantechnischen Gründen ist dies nur montags und freitags in der fünften Stunde möglich, an denen der Schüler eigentlich am katholischen Religionsunterricht seiner Klasse teilnimmt. Der Religionslehrerin
wird dieser Sachverhalt lediglich mitgeteilt. Auf entsprechende Rückfrage erfährt sie, dass keine Abmeldung vom Religionsunterricht vorliegt; aus o. g. Gründen würde lediglich dem Förderunterricht in Mathematik für eine begrenzte Zeit mit Zustimmung der Eltern Priorität eingeräumt.

Ist dieses Verfahren zulässig?

Rechtsgrundlagen:

  1. § 31 SchulG NRW
  2. Religionsunterricht an Schulen (BASS 12-05 Nr.1), RdErl. d. Ministeriums für Schule, Jugend
         und Kinder v. 20. 6. 2003
  3. Verordnung über den Bildungsgang der Grundschule (AO-GS), BASS 13-11 Nr.1.1

Stellungnahme
(kursive Zitate beziehen sich auf o. g. Rechtsquellen)

 

  1. Der  Religionsunterricht ist gemäß Grundgesetz und Landesverfassung NRW (Art.14) ordentliches Lehrfach. Die Schülerinnen und Schüler sind daher grundsätzlich verpflichtet, an dem Religionsunterricht ihrer Konfession oder Religionsgemeinschaft teilzunehmen, soweit sie nicht gemäß §31,6 SchulG befreit sind.“ (BASS 12-05 Nr.1, 6.1). Eine Abmeldung vom Religionsunterricht durch religionsmündige Schülerinnen und Schüler oder Eltern (bei Schülern unter14 Jahren) ist zwar jederzeit ohne Angabe von Gründen möglich, aber nicht befristet oder mit einem von vornherein feststehenden „Rückkehrtermin“.
  2. Es liegt auch nicht im Ermessen der Schulleiterin oder der Eltern, einem beliebigen Förderunterricht Priorität gegenüber dem Religionsunterricht einzuräumen. Als ordentliches Lehrfach ist der Religionsunterricht verbindlicher Bestandteil der Stundentafel, der, wie alle anderen Fächer, grundsätzlich nicht zur Disposition steht.
  3. Die AO-GS ermöglicht allerdings im Rahmen des Auftrags „Individuelle Förderung“ durch Maßnahmen der „äußeren Differenzierung“ (Lernstudio) die befristete Aufhebung der verbindlichen Stundentafel und stattdessen die Teilnahme an besonderen Fördermaßnahmen. Dies setzt aber das Vorhandensein eines differenzierten schuleigenen Förderkonzeptes mit Aussagen „zur Lernstandsdiagnose, zur Förderplanung und zu den Anforderungen an die Unterrichtsorganisation voraus. (VVzAO-GS, 4.13). Außerdem ist ein durch die Klassenlehrerin zu erstellender „individueller Förderplan“ (VVzAO-GS, 4.2) vorgeschrieben.
  4. Sollten die unter 3. genannten Bedingungen formal und inhaltlich erfüllt sein, ist auch die befristete Nichtteilnahme am Religionsunterricht zur individuellen Förderung im Lernstudio zulässig.

Weitere Auskünfte:

Roland Gottwald, Schulrat i.K.
Hauptabteilung Schule und Erziehung
Domplatz 15 (Konrad-Martin-Haus)
33098 Paderborn
0 52 51/ 125-1217
roland.gottwald@erzbistum-paderborn.de

 

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