Schule und Erziehung

Gemeinsam viel bewegen!

Für Tapacari haben sie sich eingesetzt: Noah Hillebrand und Nora Spillmann aus der Klasse 5d in bolivianischer Kleidung, die stellvertretend für alle Schüler der Klassen 5 und 6 mit ihrem Einsatz beim Vokabelspendenlauf stehen.Bad Driburg, 5.4.2018 Seit 1997 existiert sie bereits: die Missionspartnerschaft zwischen den Steyler Missionsschwestern in Bolivien und dem Gymnasium St. Xaver. Sie wird Jahr für Jahr insbesondere in der sogenannten „Bolivienwoche“ im Schulalltag präsent, die traditionell in der vorösterlichen Bußzeit stattfindet.

In diesem Jahr stand die Bolivienwoche noch ganz unter dem Eindruck des Besuchs zweier Patres, die im Dezember im Rahmen der Adveniat-Weihnachtsaktion zu Gast am Gymnasium St. Xaver waren: Pater Arturo Estrada SJ, der eine Jesuitenmission in Bachajón in Südmexiko leitet, berichtete den Schülern und Lehrern von einer Kaffeekooperative, die etwa 315 indigenen Kaffeebauern ermöglicht, nicht den Widrigkeiten des globalen Kaffeehandels mit äußerst geringen Gewinnen für die Erzeuger ausgesetzt zu sein, sondern eigenständig unternehmerisch tätig sein zu können, ohne in Abhängigkeiten zu geraten.

Pater Michael Heinz SVD, der lange Zeit in Bolivien lebte und seit April des vergangenen Jahres Hauptgeschäftsführer von Adveniat ist, vertiefte diesen Vortrag, indem er zusammen mit den Schülern Überlegungen zu fairen Arbeitsverhältnissen in Südamerika, aber auch in Europa und Deutschland anstellte. Dabei wurde deutlich: Es muss darum gehen, in der Welt Bedingungen zu schaffen, die es Menschen möglich machen, selbstständig handeln und ihr eigener Herr sein zu können – ein Gedanke, der nachwirkte.

Entsprechend wurde in der Bolivienwoche einerseits zum Thema „Faire Trade“ gearbeitet. So verkauften Schülerinnen aus der Klasse 8a zusammen mit den Lehrerinnen Raphaela Fortmann und Julia Hannak fair gehandelte Produkte in den Pausen. Darüber hinaus brachte eine große, vor der Schulkirche aufgestellte Weltkugel, die bereits im Rahmen des Adveniat-Eröffnungsgottesdienstes im Dezember im Paderborner Dom präsentiert worden war, den Wunsch nach fairen Lebens- und Arbeitsbedingungen für alle Menschen zum Ausdruck: An ihr konnten nicht nur Wünsche für eine gerechtere Welt befestigt werden – ein Angebot, dem viele Schüler und Lehrer folgten. Vielmehr wurde diese Weltkugel auch von Arbeitshandschuhen gehalten, die von Schülern der Jahrgangsstufen 9 und 11 so umgestaltet worden waren, dass sie auf unwürdige Arbeitsbedingungen aufmerksam machen.

Andererseits bestand der Wunsch, sich in der Bolivienwoche für ein Projekt zu engagieren, das bessere Lebensbedingungen für die Menschen vor Ort in Bolivien schaffen soll: Bereits im vergangenen Jahr hatte sich die Schulgemeinde für die Umzäunung eines Feldes eingesetzt, das zu dem von den Steyler Missionsschwestern gegründeten Internat in dem kleinen Andendorf Tapacari gehört – mit Erfolg, denn wilden Tieren sind nun nicht mehr in der Lage, in das Feld einzudringen und die dort wachsenden Pflanzen zu zerstören. Ein Problem bleibt jedoch bestehen: Die Schwestern kämpfen jedes Jahr mit der alljährlichen Trockenzeit von Mai bis Oktober. In dieser Zeit ist es schwierig, Produkte anzubauen und zu ernten, da das lebenswichtige Wasser ausbleibt. Daher wurde sich kurzerhand dafür entschieden, sich in der Bolivienwoche für ein Wasserauffangsystem stark zu machen. Darin kann Regenwasser gesammelt werden, das in der Trockenzeit auf die Felder geleitet wird.

Um das nötige Geld für dieses Vorhaben zu sammeln, zeigten sich die „Xaverianer“ auch in diesem Jahr erfinderisch. Dabei ist neben dem Verkauf von köstlichen bolivianischen Spezialitäten durch die Schülervertretung ein Vokabel-Spendenlauf hervorzuheben, der in den Klassen 5 und 6 im Fach Englisch durchgeführt wurde: Im Rahmen eines Vokabeltests erhielten die Schüler für jedes richtig übersetzte Wort von ihrem „Sponsor“ einen vorab vereinbarten Geldbetrag – eine besonders kreative Form des Spendensammelns, die Spaß machte und der Schulgemeinde zugleich einen hohen Geldbetrag für „ihr“ Wasserauffangsystem in Bolivien eintrug.

Darüber hinaus ist es das erklärte Ziel jeder Bolivienwoche, sich vertiefend mit diesem Land und seiner reichen Kultur zu beschäftigen. Neben einzelnen Unterrichtsstunden geschah dies insbesondere im Boliviengottesdienst, der als feierlicher Höhepunkt und Abschluss der Bolivienwoche am Sonntagabend in der Schulkirche stattfand: Die Situation in dem Andenstaat wurde der biblischen Botschaft vom Teilen, das nicht hungrig, sondern satt macht, gegenübergestellt. Dies vermochten Schüler der Klasse 5b in einem Anspiel über das Evangelium der wunderbaren Speisung einer Volksmenge (vgl. Joh 6,1-15) zum Ausdruck zu bringen. Nach ihrer Vorstellung dürfte nur derjenige als „arm“ bezeichnet werden, der nicht weiß, wie „reich“ Teilen machen kann. Entsprechend brachten Schüler der Klassen 5 und 6 dann auch alle im Zuge des Vokabel-Spendenlaufs gesammelten Gelder als ihre Gabe für Bolivien zum Altar – ein Bild, das den Gottesdienstbesuchern ebenso wie die von der Klasse 5a unter Leitung von Musiklehrer Thomas Janzing vorgetragenen deutschen und bolivianischen Lieder noch lange in Erinnerung bleiben dürfte. Die Schüler konnten spüren: Gemeinsam können wir viel bewegen. Nicht zuletzt diese Erfahrung dürfte es sein, die den Geist jeder Bolivienwoche ausmacht.

 

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