Schule und Erziehung

„Luther aus katholischer Perspektive“

Auf Einladung der Fachschaft Religion des Gymnasiums St. Xaver hielt Kirchenhistoriker Prof. em. Dr. Josef Pilvousek einen Vortrag zum Thema „Luther aus katholischer Perspektive“.Bad Driburg, 19.11.2017 Der Thesenanschlag Martin Luthers an der Schlosskirche in Wittenberg vor 500 Jahren hat die Welt verändert. Grund genug für das Gymnasium St. Xaver, sich im Rahmen eines Vortrags des Erfurter Kirchenhistorikers Prof. em. Dr. Josef Pilvousek näher mit dem Reformator und seiner Bedeutung für die katholische Kirche zu beschäftigen.

„Luther aus katholischer Perspektive“ – mit diesem programmatischen Titel überschrieb Pilvousek seinen Vortrag. Allerdings wies er gleich zu Beginn seiner Rede darauf hin, dass eine sachliche Auseinandersetzung mit den Schriften des Reformators lange Zeit nicht stattgefunden habe. Vielmehr hätten jahrhundertelang die Lutherkommentare Johannes Cochläus‘, eines Zeitgenossen und erbitterten Gegners des „Augustinermönchs aus Wittenberg“, das katholische Lutherbild in der Geschichtsschreibung geprägt, ohne dass man sich dessen bewusst gewesen sei. Erst 1962 habe der Kirchenhistoriker Joseph Lortz in seinem wegweisenden Buch „Die Reformation in Deutschland“ auf die Bedeutung Luthers hingewiesen.

Dabei dürfte auch die Angst vor einem schleichenden „Evangelisieren“ der katholischen Kirche eine Rolle gespielt haben. So wusste Pilvousek zu berichten, dass selbst noch sein Exegeseprofessor Heinz Schürmann als junger Seminarist das Neue Testament heimlich „unter der Bettdecke“ lesen musste. Eine eigenständige Beschäftigung mit der Heiligen Schrift ohne Begleitung eines Geistlichen sei schlicht verpönt gewesen.

Nichtsdestotrotz habe Luther auch auf das Denken innerhalb der katholischen Kirche großen Einfluss gehabt. Ebenso wie es Luther gelungen sei, als „Junker Jörg“ unerkannt auf der Wartburg zu leben, habe er unbewusst die katholische Theologie geprägt – und das nicht zum Schaden, wie Pilvousek herausstellte. So habe Luther zweifellos Gott an die erste Stelle gestellt. In seinem Vertrauen auf ihn, der uns nicht liebe, „weil wir brav sind, sondern er gut ist“, könne er Vorbild für alle Konfessionen sein. Dies habe auch Ökumene-Kardinal Kurt Koch hervorgehoben: Beim Ökumenischen Kirchentag in Berlin 2003 habe er Deutschland einen neuen Reformator gewünscht.

Entsprechend positiv wertete Pilvousek auch den Vorschlag des EKD-Ratsvorsitzenden Heinrich Bedford-Strohms, den Thesenanschlag Luthers vor 500 Jahren zum Anlass zu nehmen, ein gemeinsames Christusfest über die Konfessionsgrenzen hinweg zu feiern. Während Lutherjubiläen in den vergangenen Jahrhunderten oft politisch instrumentalisiert worden seien, wie Pilvousek u. a. an den Jahren 1617, 1917 und insbesondere 1933 festmachen konnte, sei es angesichts der wachsenden Säkularisierung mehr denn je bedeutsam, die Frage zu stellen, wer Christus für uns heute sei. Insofern mache das Jubiläumsjahr 2017 Hoffnung und habe sicherlich – im Sinne der Ökumene − einen Anstoß in die richtige Richtung gegeben.

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