Schule und Erziehung

Das Who is Who der Krippe - das Krippenprojekt der St. Walburga Realschule

Der Textilgestaltungskurs der Klassen 10 stellte die neue Kleidung für die alten Figuren her. Meschede, 24.11.2017 In vielen Familien folgt der Aufbau der Krippe alljährlich einer festen Tradition. Was passiert aber, wenn man mit einer solchen Tradition radikal bricht? Wenn man sagt: Alles auf Anfang. Wir fangen noch einmal ganz von vorne an. Wen haben wir denn da überhaupt? Wer steht dort an der Krippe? Und warum?

Die Gemeinde Maria Himmelfahrt hat eine neuen Weg zur Krippe beschritten, als sie im Jahr 2016 über die Gemeindereferentin und Schulseelsorgerin Martina Thiele bei der St. Walburga Realschule anfragen ließ, ob seitens der Schule Interesse bestünde, die Krippe der Pfarrkirche neu zu gestalten und aufzubauen.

Da die Schuluhren anders gehen und Projekte viel Zeit und Vorbereitung brauchen, überbrachte Martina Thiele dem Pfarrgemeinderat die Nachricht, dass die Schule sehr wohl Lust habe, die Krippe zu gestalten, dass aber erst im Jahr 2017 die Gelegenheit dazu bestünde. Und so begann das Krippenprojekt an einem warmen Julitag im Sommer 2017.

Martina Thiele, Susanne Klinke und Waltraud Enste verschafften sich einen Überblick über die Krippenfiguren. Figur für Figur wurde aus den Kisten gehoben und die Treppe im Turm der Himmelfahrtskirche füllte sich mit dem gesamten Krippenpersonal.

Der Anblick der Figuren war im Grunde die Geburtsstunde der Idee, in diesem Jahr auf einen großen Krippenaufbau und üppige Kleidung zu verzichten und allein die aufs Wesentliche reduzierten Figuren ins Zentrum zu rücken.

Das Who is who der Krippe - Flyer zum Projekt

Wenig später zogen die Figuren also bei der Textilkünstlerin Susanne Klinke ein, die die Umgewandung vorbereiten würde. In der WhatsApp-Gruppe des „Krippen-Teams“ liest sich das so: „Der Verkündigungsengel harrt nun zusammen mit den anderen Figuren von Martina in schönen Boxen verpackt etwas skeptisch dreinblickend, aber doch auch erwartungsvoll der Dinge, die da kommen werden ...“

Was verbarg sich unter den bunten Stoffen und Stoffresten, in die die Figuren gehüllt waren? Zum Vorschein kamen zehn sogenannte Ankleidefiguren. Ihre Köpfe, Hände und Füße sind feingliederig handgeschnitzt und detailliert koloriert. So weisen alle Augen gemalte Lichtreflexe auf. „Das macht ihren Blick so richtig lebendig“, meint Johanna aus der 6. Klasse.

Die Inspektion der bis zu 40 cm großen Figurenkörper zeigte, dass sie ursprünglich beweglich waren, da in ihren Stoffleibern starke Drähte verarbeitet wurden. Im Laufe der Zeit waren diese bei einigen Figuren gebrochen und offenbarten sich als notdürftig repariert. Auch einige Köpfe waren vertauscht, konnten aber nun wieder korrekt zugeordnet werden.

Alle Figuren tragen lange Untergewänder aus weißem oder schwarzem dünnen Baumwollstoff, wohl „um die profane Konstruktion der Stoffleiber zu verdecken“, vermutet Susanne Klinke. Erst darüber werden sie individuell angekleidet. Von ihrer historischen Oberbekleidung, die an der sorgfältigen, feinen Verarbeitung zu erkennen ist, haben sich allerdings nur ein Untergewand und ein Mantel erhalten.

Es ging also daran,  Während zwei Teams Schnittmuster auf der Grundlage der erhaltenen historischen Kleidungsstücke entwickelten, reinigten die übrigen Schülerinnen und Schüler alle Figuren vorsichtig mit Wattestäbchen und klarem Wasser.

In einer Collage erläuterten die Schülerinnen und Schüler den Besuchern ihre Sichtweise der Krippenfigur. Danach ging es jeweils in Zweier- oder Dreierteams an die Herstellung der Gewänder - allerdings zunächst nur in einem Probedurchlauf mit einfachen Baumwollstoffen. Erst danach kamen die endgültigen Seidenstoffe zum Einsatz. Die Kleidung wurde als sogenanntes Doubleface hergestellt. Jedes Kleidungsstück ist also doppellagig und wendbar. Auf diese Weise sind alle Kanten sauber verarbeitet, was sonst bei solcher Miniaturkleidung ganz schön knifflig ist. „Alles ist wirklich zeitintensiv“, so Susanne Klinke, „und trotzdem sind der Ehrgeiz und die Sorgfalt meiner Textilgestalter seit September immer mehr gewachsen. Fast unglaublich, aber echt wahr!“

Derweil ahnte die übrige Schulgemeinde noch nichts. Erst durch die Lehrerkonferenz vor den Herbstferien erfuhr die breite Schulöffentlichkeit davon, was da auf sie zukam. Das Krippen-Team, mittlerweile um Thomas Fildhaut und Sabrina Ophoven erweitert, erläuterte den Projektplan und mobilisierten die ganze Schule.

Jede Klasse übernahm die Patenschaft für eine Krippenfigur oder Figurengruppe. Sie beschäftigte sich mit der Frage, um was für eine Figur es sich da handelte. Was sagt die Bibel über die Figur? Wird sie dort überhaupt genannt? Welche Rolle spielt sie an der Krippe? Welche Botschaft bringt sie den Menschen?

Der intellektuellen Auseinandersetzung folgte die Gestaltung Die Klasse 9a befasste sich zum Beispiel mit der Figur des Josefs. Sonst eher eine Randfigur, stand er nun plötzlich im Mittelpunkt des Interesses. Die Schülerinnen und Schüler entdeckten in ihm den Familienmenschen, der sich auf Gott einlässt und seine Aufgabe als Vater annimmt. „Eine gute Gelegenheit, um mehr über die Figuren zu erfahren“, sagte Hanna. „Außerdem lernt man Josef von einer ganz anderen Seite kennen.“ - Ein verliebtes Paar und ein Vater, der sein Kind an der Hand hält, sind Bilder aus aktuellen Zeitschriften, die diese Gruppe mit Josef in Verbindung bringt. „Ich hasse es, wenn alle Augen auf mich gerichtet sind“ und „Stark sein!“ sind Texte, die eine andere Gruppe für Josef auswählt.

In vier Schulgottesdiensten während der Adventszeit kehren die Figuren nach und nach in die Kirche zurück, um am Heiligen Abend ein neues Bild der Krippe zu ergeben. Die Schülerinnen und Schüler und das „Krippen-Team“ hoffen, den Besuchern einen neuen Blick auf die Figuren zu eröffnen, und lädt herzlich dazu ein, „Das Who is Who der Krippe“ in der zu den Gottesdienstzeiten geöffneten Kirche zu erleben.

Für das Krippenteam: Waltraud Enste

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