Schule und Erziehung

Erzbischof Hans-Josef Becker: „Religionsunterricht baut Vorurteile ab“

Mehmet Soyhun, Vorsitzender des Beirats für den islamischen Religionsunterricht in Nordrhein-Westfalen; Hans-Josef Becker, Erzbischof des Erzbistums Paderborn (Katholische (Erz-)Bistümer in Nordrhein-Westfalen); Aziz Aslandemir, Stellvertretender Bundesvorsitzender (Alevitischen Gemeinde Deutschland e.V.); Sylvia Löhrmann, Ministerin (Ministerium für Schule und Weiterbildung Nordhrhein-Westfalen); Dr. Oded Horowitz (Landesverbände der Jüdischen Gemeinden von Nordrhein und Westfalen-Lippe, Synagogen-Gemeinde Köln); Dr. h.c. Augoustinos von Deutschland, Metropolit und Erzbischof (Orthodoxe Bischofskonferenz in Deutschland); Mor Philoxenus Mattiyas Nayis, Erzbischof der Syrisch-orthodoxen Kirche von Deutschland (Syrisch-Orthodoxe Kirche in Deutschland); Manfred Rekowski, Präses der Evangelischen Kirche im Rheinland (Evangelische Landeskirchen in Nordrhein-Westfalen).Sepp Spiegl Paderborn/Düsseldorf, 2.6.2016 (pdp). Erzbischof Hans-Josef Becker gehörte gestern gemeinsam mit NRW-Schulministerin Sylvia Löhrmann zu den Unterzeichnern, der „Gemeinsamen Erklärung zum Religionsunterricht in Nordrhein-Westfalen“, die von allen am schulischen Religionsunterricht beteiligten Bekenntnissen unterzeichnet wurde. Darin wird die Bedeutung des bekenntnisorientierten Religionsunterrichts für ein friedliches und respektvolles Miteinander bekräftigt.

Mit der Erklärung wolle man ein wichtiges gemeinsames Zeichen setzen: „Im Religionsunterricht lernen die Schülerinnen und Schüler, dass universelle Werte wie Mitmenschlichkeit, Respekt und Achtung vor dem Nächsten den Religionen gemeinsam sind. Religionsunterricht trägt dazu bei, eine eigene Wertehaltung zu entwickeln und sie zu reflektieren. Darüber hinaus wird der interreligiöse Dialog an Schulen als Orte religiöser und kultureller Vielfalt gestärkt“, so Löhrmann. „An diesem Markenzeichen Nordrhein-Westfalens wollen wir alle gemeinsam weiter arbeiten.“

Ministerin Löhrmann betonte, dass der Religionsunterricht an den Schulen seinen festen Platz habe und viele Schulen die in Nordrhein-Westfalen bestehende Möglichkeit nutzen, neben dem katholischen und evangelischen Religionsunterricht auch Angebote für jüdische, islamische und alevitische sowie orthodoxe und syrisch-orthodoxe Bekenntnisse zu machen.

„Wir haben heute die gemeinsame Erklärung unterzeichnet, um unseren Beitrag für ein friedliches Zusammenleben in unserem Land zu leisten. Für uns ist dafür der Religionsunterricht in der Schule ein bedeutendes Instrumentarium“, sagte Erzbischof Hans-Josef Becker in Düsseldorf.

Die Worte aus dem politischen Spektrum Deutschlands, die Fußball-Nationalspieler Jérôme Boateng absprechen wollten, ein willkommener Nachbar zu sein, hätten ihn erschreckt. Mit großer Sorge betrachte er, dass derartige fremdenfeindliche und rassistische Positionen wieder zu diesem Land gehörten, so der Erzbischof. Es sei die gemeinsame Aufgabe aller Menschen guten Willens, dem gelassen, aber entschieden entgegenzutreten. Erzbischof Becker: „Ebenso entschieden müssen wir denjenigen entgegentreten, die im Namen der Religion und vorgeblich im Namen des Gottes Abrahams Unfrieden und Tod in die Welt predigen und bringen.“

Nicht selten würde die Auffassung vertreten, die Religionen seien die Ursache, weil sie ein wesentlicher Grund für Angst vor Andersartigkeit, Fremdenfeindlichkeit, Fanatismus und Fundamentalismus sei. Der Religionsunterricht, der in der eigenen Religion beheimatet sei und über die anderen Religionen informiere, baue Missverständnisse und Vorurteile ab. Erzbischof Becker: „Deshalb leistet der an die Konfessionen und Religionen gebundene Religionsunterricht in der Schule einen unverzichtbaren Beitrag zur Bildung der Kinder und Jugendlichen in unserem Land und er leistet einen unverzichtbaren Beitrag zu einem friedlichen und gedeihlichen Zusammenleben.“

Abschließend würdigte Ministerin Sylvia Löhrmann die überaus konstruktiven Gespräche mit den Vertretern der verschiedenen Bekenntnisse, die der gemeinsamen Erklärung vorausgegangen waren. Sie dankte darüber hinaus den Fachlehrkräften an den Schulen für ihre Arbeit und ihr Engagement.

Die Erklärung wurde unterzeichnet von:

- Hans-Josef Becker, Erzbischof des Erzbistums Paderborn, für die katholischen (Erz-)Bistümer in Nordrhein-Westfalen,
- Dr. h.c. Augoustinos von Deutschland, Metropolit und Erzbischof, für die Orthodoxe Bischofskonferenz in Deutschland,
- Mor Philoxenus Mattias Nayis, Erzbischof der syrisch-orthodoxen Kirche von Deutschland,
- Manfred Rekowski, Präses der Evangelischen Kirche im Rheinland, für die Evangelischen Landeskirchen in Nordrhein-Westfalen,
- Dr. Oded Horowitz für die Jüdischen Landesverbände,
- Mehmet Soyhun, Vorsitzender des Beirats für den Islamischen Religionsunterricht in Nordrhein-Westfalen,
- Aziz Aslandemir, stellvertretender Bundesvorsitzender der Alevitischen Gemeinde Deutschlands.

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