Schule und Erziehung

Burn Out bei Kindern und Jugendlichen

Prof. Dr. Michael Schulte-Markwort, Kinder- und Jugendpsychiater, Hamburg© Nina Grützmacher Paderborn, 21.01.16 Seit einigen Jahren werden in der Praxis von Prof. Dr. Schulte-Markwort vermehrt Kinder vorgestellt, die unter ständiger Erschöpfung leiden. Burn-Out-Kids ist ein reißerischer Titel, aber er will mit seinen Beobachtungen alle, die mit Kinder zusammenleben und für die Lebensbedingungen von Kindern verantwortlich sind, aufrütteln.

Der Hamburger Kinder- und Jugendpsychiater Prof. Dr. Michael Schulte-Markwort hatte ca. 180 Eltern, Lehrer und andere Interessierte mobilisiert, an seinem Informationsabend zum Thema teilzunehmen. Mit so einem Andrang hatten die Veranstalter, die Hauptabteilung Schule und Erziehung im Erzbischöflichen Generalvikariat, das Dekanat Paderborn und die Bonifatius Buchhandlung, nicht gerechnet. Von Anfang an zog Prof. Schulte-Markwort die Zuhörer in seinen Bann. Ausgehend von den historischen Entwicklungen des Burn Out, über die Einordnung von Burn Out in einen medizinischen Rahmen bis hin zu den Burn-Out-begünstigenden Rahmenbedingungen verstand er es, die Zuhörer für das Thema zu sensibilisieren. Er zitierte auch aus seinem Buch ‚Burn Out Kids‘, in dem er einzelne Kinder und Jugendliche vorstellte (z.B. die 16-jährige Anna) und auf ihr Krankheitsbild näher einging. Er berichtete von seinen Erfahrungen als ärztlicher Direktor der Klinik für Kinder- und Jugendpsychatrie, - psychotherapie und - psychosomatik im Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf und des Altonaer Kinderkrankenhauses.

Was sind die Gründe dafür, dass 20 bis 30 Prozent der deutschen Kinder zwischen elf und 17 Jahren sich häufig erschöpft fühlen?

An erster Stelle nennt Schulte-Markwort hier das Prinzip Leistung, das nicht nur die Kinder, sondern auch die Eltern überfordert. Die Ökonomisierung habe die ganze Gesellschaft durchdrungen. Meist sind es die Mütter, die sich zerreißen zwischen Beruf, Partnerschaft, Haushalt und den hohen Ansprüchen an die Erziehung ihrer Kinder. Und schon Grundschüler sind der Meinung, dass ihr Leben gelaufen ist, wenn sie nicht zum Gymnasium gehen. Schulte-Markwort gibt den Eltern mit auf den Weg, ihre Rolle als Experten ihrer Kinder ernst zu nehmen und sich um ein gutes Familienklima zu bemühen.

Gerade die Lebensumstände sowohl im familiären als auch im schulischen Bereich sind für die betroffenen Kinder und Jugendlichen von großer Bedeutung. Pauschalurteile sind so gut wie nie zielführend. Es kommt immer darauf an, wie einzelne Kinder und Jugendliche die jeweilige Situation empfinden. Er ermunterte die Eltern, gegen die z. T. schlechten (baulichen) Zustände in den Schulen anzugehen, da das Lernen in so einem Umfeld keinen Spaß machen könne. Selbst die Lehrer seien ja oftmals von Burn Out betroffen, da es auch für sie kaum zumutbar sei, unter derartigen Rahmenbedingungen zu arbeiten.

Als präventive Maßnahme empfahl Prof. Schulte-Markwort allen Erwachsenen, mit d Foto: privatW. Tuschhoff en Kindern und Jugendlichen im Gespräch zu bleiben und an ihrem Leben so weit wie möglich teilzunehmen. Dann wird es möglich, Burn Out Tendenzen (Einschlaf- und Durschlafschwierigkeiten, Kopf- oder Bauchschmerzen, …) frühzeitig zu erkennen und ihnen gegenzusteuern. Wenngleich Arztbesuche immer mit langen Wartezeiten in Verbindung stehen, empfahl er trotzdem, so früh wie möglich einen Kinder- und Jugendpsychiater aufzusuchen. Er selbst habe es lieber, ein „Verdachtskind“ wieder nach Hause zu schicken, weil sich ein Verdacht auf die Diagnose Burn Out nicht bestätigen ließe, als wenn ein betroffenes Kind zu spät in ärztliche Behandlung kommt.

Nach den Ausführungen von Prof Schulte-Markwort kam es noch zu einem regen Austausch zwischen Referent und teilnehmenden Eltern und Lehrkräften.

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Erzbistum Paderborn