Schule und Erziehung

Gewinner des Essay-Wettbewerbs 2017 ausgezeichnet

Die Gewinner des diesjährigen Essay-Wettbewerbs der Theologischen Fakultät Paderborn: (erste Reihe von links) Johannes Baptist Krumpipe, Justus Keitel, Caroline Breit mit Professor Kopp, (zweite Reihe von links) Dr. Lewandowski, Professor Irlenborn, Laudator Rasche und Dr. Klug.Foto: ThF-PBPaderborn, 24.11.2017 Es sind heiße Eisen, die sich die Gewinner des diesjährigen Essay-Wettbewerbs der Theologischen Fakultät Paderborn als Themen vorgenommen hatten: Gender-Debatte, Kommunion für wiederverheiratete Geschiedene und die Beziehung Jesu zum Geld. Am Mittwoch, 22. November, wurden die Preisträger aus Bielefeld und Warburg für ihre Arbeiten im Rahmen einer Feierstunde ausgezeichnet, bei der neben den Lehrenden und Studierenden auch die Familien und Lehrer teilnahmen.

Den ersten Preis und 500 Euro gewann Caroline Breit vom Ratsgymnasium Bielefeld für ihren Essay „Frau – Männin – Menschin. Der Gender-kritische Ansatz von Hanna-Barbara Gerl-Falkovitz“. Den zweiten Preis und 300 Euro erschrieb sich ihr Mitschüler Justus Keitel mit seiner Arbeit „Kommunion für wiederverheiratete Geschiedene – Apostolisches Schrieben Amoris Laetitia Kapitel 8 und dessen Auswirkungen“. Den dritten Preis und 200 Euro erhielt Johannes Baptist Krumpipe vom Warburger Gymnasium Marianum für den Titel „Der Revolutionär Jesus. Die Frage nach dem Geld“. Die Ehrungen nahm Prorektor Professor Dr. Stefan Kopp zusammen mit den Jurymitgliedern Professor Dr. Dr. Bernd Irlenborn und Emanuel Rasche, der die Laudationes auf die Preisträger hielt, im Hörsaal 1 der Theologischen Fakultät vor.

„Wir freuen uns sehr, dass Sie sich als junge Menschen mit ihren anspruchs- und qualitätsvollen Arbeiten am Essay-Wettbewerb beteiligt haben und heute zur Auszeichnung hier sein können“, sagte Prorektor Professor Dr. Stefan Kopp. In Vertretung für Rektor Professor Dr. Wolfgang Thönissen begrüßte er die Gäste an der Theologischen Fakultät Paderborn und gratulierte den Gewinnern des diesjährigen Essay-Wettbewerbs ebenso wie ihren Eltern und Lehrern.

Auch Professor Irlenborn schloss sich den Gratulationen an und verriet gleichzeitig, dass die Preisvergabe alles andere als leicht gewesen sei: „Die Unterschiede der Arbeiten sind nicht groß. Sie liegen sehr nah beieinander.“ Dazu habe jedes Jurymitglied bei der Beurteilung andere Schwerpunktsetzungen, um die das Auswahlgremium dann auch ordentlich gerungen habe, erklärte Professor Irlenborn. Aber alle drei Essays seien beeindruckende Leistungen, auf die die Preisträger richtig stolz sein dürften.

Besonders angetan vom Einsatz und Fleiß der Schüler zeigten sich Dr. Dennis Lewandowski und Dr. Stefan Klug, die für die Schulabteilung des Erzbischöflichen Generalvikariats Paderborn an der Feierstunde teilnahmen. „Sie haben sich alle mit Themen beschäftigt, die aktuell sind und diskutiert werden. Dazu haben sie einen wertvollen Beitrag geleistet, einen Anstoß, über Glaube und Religion vertieft nachzudenken“, sagte Dr. Lewandowski. „Wir können sie nur bestärken, ihre christliche Verortung und Reflexion auch künftig in den gesamtgesellschaftlichen Diskurs einzubringen. Haben sie weiterhin Mut dazu.“

In den Laudationes lobte Emanuel Rasche, Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Lehrstuhl für christliche Gesellschaftslehre, die Preisträger ausdrücklich für ihre offene Herangehensweise, die schlüssigen Argumentationen und differenzierten Stellungnahmen. Die Arbeit von Caroline Breit könne dabei begriffen werden „als eine Auseinandersetzung mit dieser Genervtheit und der Suche nach einem gemäßigten Feminismus, den Sie in der Auseinandersetzung mit Hanna-Barbara Gerl Falkovitz herausgearbeitet hat.“ Die Schülerin sei mit der Fachliteratur souverän umgegangen und habe einen sehr gut lesbaren Schreibstil. Besonders ihre kritische und eigenständige Verortung in den Positionen des modernen Feminismus sei überzeugend gewesen und habe den Ausschlag für den ersten Preis ergeben, lobte Rasche.

Justus Keitel habe seine Auseinandersetzung mit dem drängenden Thema des kirchlichen Umgangs mit wiederverheirateten Geschiedenen logisch und argumentativ aufgebaut. Er habe „sehr präzise und differenziert die theologischen und kirchenrechtlichen Grundlagen der Ehe nach katholischem Verständnis“ erläutert, bevor er sich positioniert habe: „Für Justus Keitel seien die abstrakt-formalen Überlegungen der Theologie bzw. des Kirchenrechts zwar notwendig, um den Sinn und Wert des Sakraments der Ehe zu erhalten, im Einzelfall aber zu formal, um der Situation der Betroffenen gerecht zu werden.“ Dabei habe Papst Franziskus mit seinem Festhalten an Lehre und Recht und der gleichzeitigen Ermöglichung von differenzierten Entscheidungen vor Ort einen sehr geschickten und dem Problem angemessenen Weg beschritten, fasste Laudator Rasche das Fazit des zweiten Preisträgers zusammen.

Ausgangspunkt der Arbeit von Johannes Baptist Krumpipe sei das scheinbar widersprüchliche Bild vom Umgang Jesu mit dem Geld in der Bibel gewesen, erklärte Rasche. Der Gewinner des dritten Preises habe konsequent die Bibel als Quelle benutzt und alle relevanten Stellen des Evangeliums zum Thema interpretiert und argumentativ abgewogen. Dabei sei er „auf so etwas wie eine Doppelmoral in der Lehre Jesu zum Reichtum“ gestoßen: zwischen Verzicht auf Reichtum und seinem Einsatz für das Reich Gottes. Abschließend sei Johannes Baptist Krumpipe zu dem Ergebnis gekommen, „dass aus der Sicht Jesu Reichtum geteilt werden sollte. Geld oder Reichtum könnten nicht einfach schlecht sein, es komme immer darauf an, wie es eingesetzt werde. Geld dürfe niemals Zweck, sondern immer nur Mittel sein und zwar Mittel zum Dienst an den Schwächsten der Gesellschaft“.

Einmal im Jahr sind Schülerinnen und Schüler der Jahrgangstufen 11 und 12 im Erzbistum Paderborn eingeladen, am Essay-Wettbewerb der Theologischen Fakultät Paderborn teilzunehmen. 2017 fand der Wettbewerb in Kooperation mit der Hauptabteilung ‚Schule und Erziehung‘ des Erzbischöflichen Generalvikariates zum vierten Mal seit seiner Einführung im Jubiläumsjahr 2014 statt.

Umfang und Form des Essays, der argumentativen Auseinandersetzung mit eigener Stellungnahme, zu aktuellen und strittigen Fragen aus den Bereichen Philosophie, Theologie und Gesellschaft entsprechen den Anforderungen einer schulischen Facharbeit. Das jeweilige Thema und den Schwerpunkt der Arbeit können die Autorinnen und Autoren selbst festlegen.

 

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