Schule und Erziehung

Burn Out Kids

Der Hamburger Kinder- u. Jugendpsychiater Prof. Dr. M. Schulte-Markwort Arnsberg/Paderborn, 16.10.2017 Der Hamburger Kinder- und Jugendpsychiater Prof. Dr. Michael Schulte-Markwort war zu Gast im Mariengymnasium Arnsberg. Das Forum der Schule war gut gefüllt mit Eltern und Lehrkräften, die sehr interessiert seinen Ausführungen zu der Problematik „Burn Out Kids“ lauschten.

Die Veranstalter, das Mariengymnasium, die Hauptabteilung Schule und Erziehung im Erzbischöflichen Generalvikariat, das Dekanat Hochsauerland-West, die KEFB Arnsberg sowie die Buchhandlung Vieth, waren mit dem Besuch der Veranstaltung sehr zufrieden. Von Anfang an zog Prof. Schulte-Markwort die Zuhörer in seinen Bann. Ausgehend von den historischen Entwicklungen des Burn Out, über die Einordnung von Burn Out in einen medizinischen Rahmen bis hin zu den Burn-Out-begünstigenden Rahmenbedingungen verstand er es, die Zuhörer für das Thema zu sensibilisieren. Er zitierte auch aus seinem Buch ‚Burn Out Kids‘, in dem er einzelne Kinder und Jugendliche vorstellte (z.B. die 16-jährige Anna) und auf ihr Krankheitsbild näher einging. Er berichtete von seinen Erfahrungen als ärztlicher Direktor der Klinik für Kinder- und Jugendpsychatrie, - psychotherapie und - psychosomatik im Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf und des Altonaer Kinderkrankenhauses. Die Lebenswelt der Kinder und Jugendlichen und die Herausforderungen, mit denen diese tagtäglich konfrontiert werden, standen im Mittelpunkt aller Überlegungen.

Was sind die Gründe dafür, dass 20 bis 30 Prozent der deutschen Kinder zwischen elf und siebzehn Jahren sich häufig erschöpft fühlen?

An erster Stelle nannte Schulte-Markwort hier das Prinzip Leistung, das nicht nur die Kinder, sondern auch die Eltern überfordert. Die Ökonomisierung habe die ganze Gesellschaft durchdrungen. Meist sind es die Mütter, die sich zerreißen zwischen Beruf, Partnerschaft, Haushalt und den hohen Ansprüchen an die Erziehung ihrer Kinder. Und schon Grundschüler sind der Meinung, dass ihr Leben gelaufen ist, wenn sie nicht zum Gymnasium gehen. Schulte-Markwort gibt den Eltern mit auf den Weg, ihre Rolle als Experten ihrer Kinder ernst zu nehmen und sich um ein gutes Familienklima zu bemühen.

Gerade die Lebensumstände sowohl im familiären als auch im schulischen Bereich sind für die betroffenen Kinder und Jugendlichen von großer Bedeutung. Pauschalurteile sind so gut wie nie zielführend. Es kommt immer darauf an, wie einzelne Kinder und Jugendliche die jeweilige Situation empfinden. Schulte-Markwort berichtete von vielen Schulen (gerade auch aus Hamburg), deren baulicher Zustand nicht zum Wohlbefinden sowohl der Kinder und Jugendlichen als auch der Lehrerinnen und Lehrer beitrage. Angenehm überrascht zeigte er sich vom Mariengymnasium, das einen gänzlich anderen Eindruck mache.

Prof. Schulte-Markwort empfahl allen Erwachsenen, mit den Kindern und Jugendlichen im Gespräch zu bleiben und ansprechbar für sie zu sein. Er wies allerdings auch darauf hin, dass Eltern nicht immer alles wissen müssen, was die Kinder und Jugendlichen machen. Sie sollten jedoch lernen, Ihren Kindern eine große Portion Vertrauen entgegen zu bringen. Dann wird es möglich, Burn Out Tendenzen (Einschlaf- und Durchschlafschwierigkeiten, Kopf- oder Bauchschmerzen, …) frühzeitig zu erkennen und ihnen gegenzusteuern. Wenngleich Arztbesuche immer mit langen Wartezeiten in Verbindung stehen, empfahl er trotzdem, so früh wie möglich einen Kinder- und Jugendpsychiater aufzusuchen. Er selbst habe es lieber, ein „Verdachtskind“ wieder nach Hause zu schicken, weil sich ein Verdacht auf die Diagnose Burn Out nicht bestätigen ließe, als wenn ein betroffenes Kind zu spät in ärztliche Behandlung kommt.

Nach den Ausführungen von Prof Schulte-Markwort kam es noch zu einem regen Austausch zwischen Referent und teilnehmenden Eltern und Lehrkräften.

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Erzbistum Paderborn