Schule und Erziehung

Gemeinsamkeiten stärken – Unterschieden gerecht werden

Erzbischof Hans-Josef Becker unterzeichnete Vereinbarungen zum konfessionell-kooperativen Religionsunterricht.pdp Erzbischof Hans-Josef Becker und die Bischöfe Dr. Felix Genn (Münster) und Dr. Franz-Josef Overbeck (Essen) sowie Präses Annette Kurschus (Evangelische Kirche von Westfalen), Präses Rekowski (Rheinische Landeskirche) und Landessuperintendent Dietmar Arends (Lippische Landeskirche) haben jetzt Vereinbarungen zum konfessionell-kooperativen Religionsunterricht unterzeichnet. Das Ministerium für Schule und Bildung hat mit einer Erlassänderung die rechtlichen Rahmenbedingungen zur Einführung in NRW geschaffen.      

Mit ihrer Initiative für den konfessionell-kooperativen Religionsunterricht stellen sich die katholischen (Erz-)Bistümer und evangelischen Landeskirchen auf die veränderte Schullandschaft ein: Die Zahl christlicher Schüler ist rückläufig und Religionsunterricht, den nur Schülerinnen und Schüler einer einzigen Konfession besuchen, findet immer seltener statt. Zudem wird häufig bereits Religionsunterricht im Klassenverband erteilt, was allerdings nicht den Rechtsgrundlagen entspricht.  

Konfessionell-kooperativer Religionsunterricht soll die jeweils eigene evangelische oder katholische Identität bewusst machen, zum kritischen Nachdenken anregen und das Gewissen schärfen. Die Verantwortlichen in den Kirchenämtern und Generalvikariaten sind überzeugt, dass durch diese Gestalt des Religionsunterrichts die authentische Begegnung mit der jeweils anderen Konfession nachhaltig ermöglicht wird und so Schülerinnen und Schüler sich der eigenen Konfession bewusster werden können. Die durchweg positiven Erfahrungen aus Modellprojekten im Erzbistum Paderborn, insbesondere die seit Jahren erfolgreiche konfessionelle Kooperation an Grundschulen im Kreis Lippe, bestätigen diese Einschätzung.  

Die kirchlichen Vereinbarungen und die staatliche Erlassänderung machen deutlich: Rechtlich ist konfessionell-kooperativer Religionsunterricht eine Organisationsform des konfessionellen Religionsunterrichts im Sinne des Grundgesetzes. Konfessionell-kooperativer Religionsunterricht orientiert sich inhaltlich am Grundsatz „Gemeinsamkeiten stärken – Unterschieden gerecht werden“. Dazu sind die weiterhin geltenden evangelischen und katholischen Lehrpläne für den Religionsunterricht aufeinander zu beziehen und in entsprechende Unterrichtsplanungen zu übersetzen. Organisatorisch ist konfessionell-kooperativer Religionsunterricht Unterricht für evangelische und katholische Schülerinnen und Schüler, an dem auf Antrag auch Schüler anderer Religionen und Glaubensrichtungen teilnehmen können. Der konfessionell-kooperative Religionsunterricht ist mit einem verpflichtenden Fachlehrerwechsel verbunden, der gewährleistet, dass die Schülerinnen und Schüler beide konfessionellen Perspektiven im Laufe des Unterrichts authentisch kennenlernen und sich damit auseinandersetzen können.  

Damit zum Schuljahr 2018/19 der konfessionell-kooperative Religionsunterricht beginnen kann, wird es im nächsten Schuljahr in enger Kooperation zwischen den kirchlichen Stellen und der staatlichen Schulaufsicht vielfältige Informations- und Fortbildungsveranstaltungen für Lehrkräfte und Schulleitungen geben, um im Detail über konzeptionelle, strukturelle und Verfahrensfragen zu informieren.  

Die Erteilung des konfessionell-kooperativ Religionsunterrichts an Grundschulen und im Bereich der Sekundarstufe 1 ab dem Schuljahr 2018/19 muss beantragt werden. Die Antragstellung erfolgt über die Schulleitung bei der zuständigen Schulaufsichtsbehörde. Eine Genehmigung setzt das Einvernehmen der örtlich zuständigen kirchlichen Oberbehörden voraus. Um einen entsprechenden Antrag stellen zu können, muss ein befürwortender Beschluss der evangelischen und katholischen Fachkonferenzen Religion auf der Grundlage eines fachdidaktischen Konzepts vorliegen. Zudem ist ein Nachweis über eine Beratung in der Schulkonferenz notwendig und muss der Fachlehrerwechsel sichergestellt sein.

Ansprechpartner:
Roland Gottwald
Schulrat i. K.
05251 125 1217
roland.gottwald@erzbistum-paderborn.de

Sie sind hier: Startseite
Erzbistum Paderborn