Schule und Erziehung

Quo vadis Europa?

Elmar Brok ist seit 1980 Mitglied des Europäischen Parlaments. Bad Driburg, 21.2.2017 Europa – Wohin führt der Weg? Dieser Frage werden der Europaabgeordnete Elmar Brok und der langjährige Fraktionsvorsitzende der Linkspartei im Bundestag Dr. Gregor Gysi am Donnerstag, den 16. März 2017, um 20 Uhr im Rahmen einer Podiumsdiskussion in der Aula des Gymnasiums St. Xaver nachgehen, zu der herzlich eingeladen wird. Karten zu dieser Veranstaltung sind bereits im Vorverkauf in der Buchhandlung Saabel und im Sekretariat des Gymnasiums St. Xaver erhältlich und kosten 7 Euro (3 Euro für Schüler).

Die derzeitige Situation der Europäischen Union erscheint mehr als Besorgnis erregend: Nach der Finanz- und Flüchtlingskrise, dem Brexit, einem schwelenden Konflikt in der Ukraine und dem Anwachsen nationalistischer Kräfte treibt viele Menschen die Sorge um, was aus dem großen Gemeinschaftsprojekt Europa werden und ob und wie dieses überhaupt noch gelingen kann. Umso mehr ist es zu begrüßen, dass die Verantwortlichen des Gymnasiums St. Xaver die aktuelle politische Lage zum Anlass genommen haben, zwei in den vergangenen Jahren äußerst einflussreiche Politiker hierzu Stellung beziehen zu lassen.

Dazu haben sie auf der einen Seite Elmar Brok geladen. Er ist für die Menschen in Ostwestfalen kein Unbekannter: 1946 in Verl geboren, machte er nach dem Abitur am Gymnasium Theodorianum in Paderborn und einem Studium der Rechts- und Politikwissenschaften rasch Karriere in der Politik: Brok engagierte sich zunächst in der Jungen Union und war von 1973 bis 1981 deren stellvertretender Bundesvorsitzender. Seit 1980 gehört er als Abgeordneter des Wahlkreises Ostwestfalen-Lippe ununterbrochen dem Europäischen Parlament an und ist damit sein dienstältestes Mitglied. Als entsprechend erfahrener Politiker genießt er hohes Ansehen im In- und Ausland. So bekleidete der mitunter schon als „Mr. Europa“ bezeichnete Brok diverse Ämter und Funktionen: Er war u. a. lange Jahre Vorsitzender des Auswärtigen Ausschusses des Europäischen Parlaments (AFET) und Co-Vorsitzender des „Transatlantic Legislators‘ Dialogue“ (TLD). Darüber hinaus ist er Mitglied im Europaausschuss des Deutschen Bundestages und war Vertreter des Europäischen Parlaments u. a. bei den Regierungskonferenzen zum Vertrag von Nizza (2000) und Lissabon (2007) sowie bei den Verhandlungen zum „Brexit“ im Jahr 2016. Elmar Brok gehört seit 1994 dem Landesvorstand der CDU in Nordrhein-Westfalen sowie seit 2004 dem CDU-Bundesvorstand an und ist Mitglied des Parteivorstandes der EVP. In seiner Eigenschaft als Vorsitzender des Ausschusses für Auswärtige Angelegenheiten war Brok während der krisenhaften Entwicklung in der Ukraine seit November 2013 wiederholt in Kiew tätig. Aufgrund seiner ausgezeichneten Kontakte gilt er diesbezüglich als wichtiger Gesprächspartner.

Gregor Gysi ist MItglied des Bundestages und war viel Jahre Fraktionsvorsitzender der PDS bzw. der Linken. Auf der anderen Seite wird Gregor Gysi während der Podiumsdiskussion Rede und Antwort stehen: Der 1948 in Berlin geborene Politiker der Partei „Die Linke“ studierte nach dem Abitur und einer Ausbildung als Facharbeiter für Rinderzucht Jura an der Humboldt-Universität und arbeitete ab 1971 als einer der weniger freien Rechtsanwälte in der DDR. In dieser Funktion verteidigte er u. a. Systemkritiker und Ausreisewillige, darunter bekannte Oppositionelle wie Robert Havemann, Rudolf Bahro, Jürgen Fuchs und Bärbel Bohley. Mit seiner während einer Massenkundgebung am 4. November 1989 auf dem Berliner Alexanderplatz gehaltenen Rede wurde er einem größeren Publikum bekannt: Seine Eloquenz und sein rhetorisches Talent ließen ihn schnell zu einem der Medienstars der friedlichen Revolution in der DDR werden. Von März bis Oktober 1990 war Gysi Abgeordneter der ersten frei gewählten Volkskammer der DDR und wurde mit der Wiedervereinigung Mitglied des Deutschen Bundestages. Diesem gehört er − mit einer Unterbrechung in den Jahren 2002 bis 2005 – bis heute an, u. a. viele Jahre als Fraktionsvorsitzender der PDS bzw. der Linkspartei. In dieser Funktion meldete sich Gysi auch immer wieder zu europapolitischen Themen zu Wort. So ist u. a. seine im Jahr 1998 gehaltene Rede im Deutschen Bundestag zur Einführung des EURO bekannt, in der er aus heutiger Sicht fast schon beängstigend klar − eine wachsende gesellschaftliche Spaltung in Arm und Reich und in der Folge ein Erstarken nationalistischer Kräfte prophezeite. Im Dezember des vergangenen Jahres wurde Gysi zum Vorsitzenden der Partei „Europäische Linke – European Left“ (EL), einem Zusammenschluss links orientierter Parteien Europas, gewählt. Seitdem engagiert sich der überzeugte Europäer verstärkt für die Belange der Menschen in den Mitgliedstaaten der EU − ein Einsatz, der nach eigenem Bekunden auch aus der Geschichte seiner Familie resultiere: Seine Großmutter musste vor den Nationalsozialisten nach Frankreich fliehen, während sein Vater später Botschafter in Italien war. Insofern hätten seine Eltern ihm ein „europäisches Denken und Fühlen“ vermittelt, das ihn tief geprägt habe.

Es wird deutlich: Bei Elmar Brok und Gregor Gysi handelt es sich um zwei grundverschiedene Politiker, die doch eines eint: ihr persönliches Engagement für ein geeintes Europa. Insofern darf man auf eine Diskussion gespannt sein, die – so hoffen die Veranstalter – erkenntnisreich und von Gewinn für alle Anwesenden sein wird.

 

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